Wie positionieren sich die Wähler*innen des BSW im politischen Spektrum? In diesem Beitrag soll die Selbsteinordnung der Wähler*innen mit der inhaltlichen Einordnung der Wahlprogramme für die Europawahl 2024 verglichen werden. Es zeigt sich, dass BSW-Wähler*innen sich auch selbst als gesellschaftlich konservativ einordnen. In der ökonomischen Dimension tun sie dies allerdings ebenso. Damit weicht die Selbsteinschätzung von der inhaltlichen Einordnung des BSW als ökonomisch linke Partei ab.
Der 5. November stellt für Europa eine „Schicksalswahl“ dar. Mit einer zweiten Präsidentschaft Donald Trumps verbinden sich Befürchtungen über eine Wiederholung von „America First“ und dem Rückzug der USA aus multilateralen Institutionen. Dagegen stehen große Erwartungen an eine Führungsmacht USA und die transatlantische Partnerschaft unter einer Präsidentin Kamala Harris. Die augenscheinlichen Unterschiede zwischen den Kandidat*innen verstellen jedoch den Blick darauf, dass sich die Europäer*innen auf die weitere Abkehr der USA vom Multilateralismus vorbereiten müssen – egal, wer ins Weiße Haus einziehen wird!
Teil des Rahmenprogrammes des DVPW-Kongresses 2024 in Göttingen war eine kurze Musikumfrage, welche unter allen Teilnehmer*innen die beliebtesten Partysongs und Musikstile erfragt hat. Mithilfe der Daten wurde die Playlist für die Kongressparty empirisch unterfüttert. Zudem konnten wir die Musikstilpräferenzen der deutschen Politikwissenschaftler*innen systematisch auswerten. Die Ergebnisse, die bereits auf Postern am Partyabend zu sehen waren, tragen wir hier nochmals ausführlicher zusammen.
Vor Wahlen wird von den Oppositionsparteien und den Medien häufig ein Kassensturz dazu gemacht, ob die Regierung ihre Wahlversprechen gehalten oder gebrochen hat. Die Erwartung ist, dass die Wähler*innen einer Partei ihre Stimme verweigern, die ihre Wahlversprechen gebrochen hat. Doch ist dies tatsächlich der Fall? Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse aktueller Forschung zur Wirkung gebrochener Wahlversprechen auf politisches Vertrauen und Wahlverhalten vor.
Der Kurs zielt darauf ab, Studierenden frühzeitig praxisorientierte Einblicke in die Methodik und Grundlagen der politikwissenschaftlichen Forschung zu vermitteln. Der Schwerpunkt liegt auf der Durchführung von eigenen Experimenten und der Anwendung von Beobachtungsdaten zur Ermittlung kausaler Zusammenhänge. Durch selbst entwickelte Forschungsprojekte und Replikationen bestehender Studien sammeln sie wertvolle Erfahrungen und entwickeln ein kritisches Verständnis für die quantitative Politikwissenschaft. Wir hoffen durch diese Praxisnähe nicht nur ihre methodischen Kompetenzen, sondern insbesondere auch ihre Motivation für die Auseinandersetzung mit quantitativer Forschung zu stärken.
Die interdisziplinäre akademische Lehr- und Forschungsreise (LFR) nach Jordanien 2023 versuchte, aufbauend auf einem methodisch und didaktisch seit vielen Jahren erprobten Lehrkonzept, eine Verzahnung von Theorie und Praxis mit Blick auf die Analyse von Kon?ikten und peacebuilding in (Post-) Kon?iktregionen. Die LFR wurde im Frühjahrstrimester 2023 im Rahmen des MA Studienganges Staats- und Sozialwissenschaften, Vertiefungsrichtung „Internationales Recht und Politik“ an der Universität der Bundeswehr München durchgeführt.
Das Lehrforschungsprojekt „Migration und Wege der politischen Partizipation“ hat an der Georg-August-Universität Göttingen im Sommersemester 2023 stattgefunden. Studierende des B.A. Sozialwissenschaften haben in sieben Forschungsgruppen im genannten Themenfeld eigene qualitative Forschungsprojekte entwickelt. Die Ergebnisse der Forschungsprojekte wurden in vielfältigen Publikationsformaten präsentiert, darunter Forschungsexposés, wissenschaftliche Poster und Posterpräsentationen, wissenschaftliche Forschungsberichte und Sammelbandbeiträge.
Beratungen in der Politik sind von wesentlicher Bedeutung. Allein im Jahr 2021 gab die deutsche Bundesregierung 186,3 Millionen Euro für externe Berater aus, was den großen Einfluss von Beratung auf die Politik verdeutlicht. Studierende beschäftigten sich im Rahmen des Seminars mit den Fragen, wie Beratung mit einem Fokus auf kommunikativ-strategische Aspekte auf kommunaler Ebene gestaltet werden kann und wie transparent diese Prozesse sein sollten. Die wissenschaftlichen Grundlagen und Kompetenzen wurden den Studierenden in fünf Lehreinheiten vermittelt. Basierend darauf traten sie in einer Simulations-Challenge als fiktives Beratungsunternehmen auf und entwickelten ein Proposal für eine öffentliche Einrichtung, das praxisorientierte Lösungen für das Krisenmanagement enthielt. Ziel war es, die kommunale Politik zu analysieren, politische Prozesse zu verstehen und Politik durch praktische Aufgaben in einem geschützten Rahmen zu erleben.
Forschung und Lehre gehören zu den beiden grundlegenden Kernbereichen des Hochschulbetriebs. Dabei stellt der Lehrbetrieb für viele Forschende eine nicht selten wenig wertgeschätzte Zusatzbelastung im universitären Forschungsalltag dar, von Studierendenseite werden die fehlende Verbindungen von Lehrinhalten und angewandter Forschungspraxis kritisiert. Der Ansatz des Forschenden Lernens versucht Forschung und Lehre enger miteinander zu verknüpfen und plädiert für einen Lehrbetrieb, der Studierende an allen wesentlichen Phasen eines Forschungsprozesses als ko-kreative Peers beteiligt. Die Skizze präsentiert die Struktur eines Methodenseminars, in dem die Grounded Theory Methodology als Forschungsstil im Sinne des Forschenden Lernens kennengelernt und erfolgreich angewendet wurde.
Das Bachelorseminar „Beyond Democracy – Krisen und Konkurrenten im 21. Jahrhundert“ beleuchtete die aktuellen Krisen der Demokratie, darunter Moralisierung, Polarisierung, Repräsentationsdefizite, Ungleichheit und Unwahrheit, sowie mögliche nicht-demokratische Herrschaftsformen wie Totalitarismus, Epistokratie und Algokratie. In Theorie- und Praxissitzungen nutzten die Studierenden KI-Tools wie ChatGPT, um alternative Regierungssysteme für Deutschland zu modellieren und diese mit realen Entwicklungen zu verknüpfen. Das Seminar hatte einen experimentellen Charakter und erforschte den Einsatz von KI in der politikwissenschaftlichen Lehre sowie die Entwicklung neuer Lehr- und Prüfungsformate.
Die Lehrveranstaltung NRW debattiert Europa 2024 brachte Studierende der Universitäten Duisburg-Essen, Köln, Münster, Wuppertal, Bielefeld und der niederländischen Radbound Universität zusammen, um gemeinsam über die Zukunft der EU zu diskutieren. Die monatelange Vorbereitung der Dozent*innen und Studierenden gipfelte in einer großangelegten Finaldebatte an der Universität Duisburg-Essen. Das Format ermöglichte das Erlangen von Debattierfähigkeiten in Zeiten, in denen wir gelebte Demokratie dringend brauchen. Clou der Veranstaltung ist die Vermittlung politikwissenschaftlichen Fachwissens in Kombination mit einer praxisrelevanten Fertigkeit, nämlich der Debatte als spezifische Form der Argumentation.
Antisemitismus ist ein gesellschaftliches Problem, tief in der Mitte der Gesellschaft verwurzelt – mit steigender Tendenz. Zudem ist Antisemitismus moralisch stark aufgeladen und durch Ambivalenzen geprägt. (Politik-)Lehrkräfte müssen mit Antisemitismus in Schule und Unterricht umgehen, scheuen dies aber häufig, weil sie vermeintlich zu wenig wissen oder Angst haben, Fehler zu machen. Daher haben wir ein Seminarkonzept entwickelt, welches handlungsorientierte medienpädagogische Projektarbeit mit einer Exkursion und Lernreflexion verbindet. Dabei wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch eine kritisch-reflexive Haltung, demokratische Einstellungen, Mut zu kollektivem Handeln und Selbstwirksamkeit befördert. Um eine Brücke zwischen Wissen und Handeln zu bauen, setzen wir auch bewusst auf Begegnungen, die wir auf vielfältige Weise ermöglichen: durch Expert*innengespräche, Gesprächsrunden sowie Besuche von Ausstellungen, Bildungszentren und Gedenkstätten. So werden angehende Lehrkräfte darin bestärkt, auch im Sinne der Demokratiebildung, sich später in ihrer beruflichen Tätigkeit gegen Antisemitismus und aktiv für Menschenrechte einzusetzen.
Das vom Arbeitsbereich Politisches System Deutschlands und Vergleich politischer Systeme an der TU Darmstadt verantwortete Lehrkonzept zielt auf die veranstaltungsübergreifende und niedrigschwellige Vermittlung von digital und data literacy. Die traditionelle Hochschullehre wird dabei ergänzt durch digitale Werkzeuge, die den praktischen, kollaborativen und interaktiven Umgang mit sozialwissenschaftlichen Daten erlauben. Methodisch und substanziell ausgerichtete Veranstaltungen ergänzen einander in der Absicht, praktische und kritische Kompetenzen im Umgang mit Daten zu entwickeln, die in und außerhalb der Wissenschaft fruchtbar werden.
Ziel des Lehrprojektes „Film und Nachhaltigkeit“ war es, anhand ausgewählter Spielfilme popkulturell vermittelte gesellschaftliche und politische Kontroversen rund um Nachhaltigkeit kritisch-analytisch zu durchdringen. Dabei stand ein interdisziplinärer Ansatz im Mittelpunkt, durch welchen Lehrende und Studierende aus Politikwissenschaft und Medienbildung zusammenkamen, um die jeweils disziplinären Perspektiven zu einer gemeinsamen interdisziplinären Analyse zu nutzen. Politikwissenschaftlich ging es um die Frage, wie in Spielfilmen Wissenschaft und Politik in Nachhaltigkeitskonflikten inszeniert werden und welche realen politischen Prozesse dem fiktionalen Inhalt zugrunde lagen. Perspektive der Medienbildung waren u.a. Fragen der Veränderung der Selbst- und Weltverhältnisse von Filmcharakteren und welche Antworten auf Nachhaltigkeit als pädagogische Herausforderung im Film nahegelegt werden. Alle Filme wurden in interdisziplinären Teams der Studierenden analysiert. Dabei wurde auch das innovative webbasierte Filmanalysetool „Lichtblick“ verwendet. Die Ergebnisse wurden innerhalb einer ganztägigen Mini-Konferenz vorgestellt, in deren Rahmen die Studierenden typisch wissenschaftliche Austauschformate erproben konnten.
Im Master-Seminar „How to Study the International Effects of Populism” (Universität Freiburg, Sommersemester 2023) entwickelten die Studierenden in Kleingruppen innovative Forschungsdesigns zu Fragestellungen rund um die internationalen Auswirkungen des Populismus. Sie erarbeiteten Poster und stellten ihre Projekte im Rahmen eines internationalen Workshops mit renommierten Expert*innen vor. Dadurch lernten sie nicht nur wie man gemeinsam Forschungsdesigns entwickelt und vorstellt. Sie lernten auch Feedback anzunehmen, sich in eine wissenschaftliche Diskussion mit etablierten Wissenschaftler*innen zu begeben, und sie trugen zur Weiterentwicklung eines wachsenden Forschungsfelds in den Internationalen Beziehungen bei. Dieses Seminarformat ist in Master-Studiengängen im Rahmen ohnehin geplanter wissenschaftlicher Workshops gut replizierbar.
Die DVPW und die Schader-Stiftung haben in diesem Jahr bereits zum vierten Mal den „Lehrpreis Politikwissenschaft“ verliehen. Der Preis hat zum Ziel, die besondere Bedeutung der Hochschullehre in der Disziplin sichtbar zu machen und die Qualität der Lehre in der deutschen Politikwissenschaft zu stärken. Ausgezeichnet werden können Lehrprojekte, die inhaltlich und/oder methodisch innovativ sind und sich durch eine besonders gute Didaktik und herausragendes Engagement der Lehrenden auszeichnen. 2024 hat die Jury den Lehrpreis Prof. Dr. Sandra Destradi von der Albert-Ludwigs Universität Freiburg für ihr Lehrprojekt „How to Study the International Effects of Populism“ zuerkannt, das sie im Sommersemester 2023 an der Albert-Ludwigs Universität Freiburg durchgeführt hat.
Der Fachinformationsdienst (FID) Politikwissenschaft – Pollux befragt regelmäßig Politikwissenschaftler*innen zu Bedarfen und Wahrnehmung seiner Services. Die aktuelle Umfrage zeigt eine leichte Steigerung der Bekanntheit von Pollux, was die Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit weiterhin unterstreicht. Wichtigste Ressourcen für die Literaturrecherche sind Literaturverzeichnisse und Zitationsangaben aus Zeitschriftenartikeln und Büchern. Open Science und Forschungsdatenmanagement gewinnen an Relevanz und in der Wissenschaftskommunikation zeigt sich ein Wandel: Plattformen wie Bluesky und LinkedIn gewinnen an Bedeutung. Die Umfrage liefert wichtige Einblicke für die strategische Weiterentwicklung von Pollux.
Die Wahlsysteme in Deutschland erlauben den Wählerinnen und Wählern nur zum Ausdruck zu bringen, welche Partei sie am besten finden. Wie sie zu den anderen Parteien stehen, und welche Parteien sie nicht an der Macht sehen wollen, bleibt unberücksichtigt. Wir nutzen aktuelle Umfrageergebnisse aus Sachsen und Thüringen um zu zeigen, dass bei der vollständigen Berücksichtigung der Wählerpräferenzen die CDU eine deutliche Wählermehrheit hätte. Würden zusätzlich die Regeln der Regierungsbildung und -beendigung reformiert, könnte die CDU eine stabile und demokratisch legitimierte Alleinregierung bilden und im Parlament mit wechselnden Mehrheiten regieren.
Die medial prominenten Karten, auf denen Wahkreise und Gemeinden in den Parteifarben des Gewinners erscheinen, können zweifach in die Irre führen: Einerseits übertreiben sie visuell die Stimmenanteile von Parteien mit Hochburgen im ländlichen Raum. So wurde z. B. aus 30 Prozent Stimmenanteil der AfD bei den Europawahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen 90 Prozent blaue Fläche auf den entsprechenden Ergebniskarten. Andererseits überdecken die Karten, dass im zersplitterten Parteiensytem der Bundesrepublik die stärkste Partei oder die Wahlkreissiegerin längst keine absoluten sondern nur noch relative Mehrheiten hinter sich bringen. Der Beitrag analysiert diese optischen und demokratietheoretischen Täuschungen.
Viel wurde bereits über die Fünf-Prozent-Hürde diskutiert. Ist der Ausschluss kleiner Parteien aus dem Parlament ungerecht oder eine Notwendigkeit für das Funktionieren von Demokratie? Weniger im Fokus der öffentlichen Debatte stand bisher die staatliche Parteienfinanzierung. Auch für diese existiert eine Hürde, die bei Landtagswahlen 1% der Stimmen beträgt. In diesem Beitrag zeige ich anhand eines natürlichen Experimentes, dass die Auswirkungen der Ein-Prozent-Hürde üblicherweise unterschätzt und diejenigen der Fünf-Prozent-Hürde überschätzt werden.