Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft

Integrative Neukonzeption der Vorlesung „Empirical Methods in Political Science II“. Ein Lehrprojekt von Jakub Sowula

Quantitative Methodenkurse gelten unter Studierenden der Sozialwissenschaften häufig als abstrakte Pflichtveranstaltungen mit hoher Einstiegshürde. Die Vorlesung „Empirical Methods in Political Science II“ an der Universität Tübingen setzt dem ein integratives Konzept entgegen: Statistik, Programmierung in R und politikwissenschaftliche Fragestellungen werden von der ersten Sitzung an gemeinsam vermittelt, ohne dass Vorkenntnisse vorausgesetzt werden. Wöchentliche Problem Sets auf Basis realer Datensätze und publizierter Studien verbinden das methodische Lernen durchgängig mit inhaltlichen Fragen. Die Evaluationen aus drei Semestern sowie die Rückmeldungen aus der Studierendenschaft deuten darauf hin, dass sich die Wahrnehmung quantitativer Methoden am Institut spürbar verändert hat.

Vertiefung zur Einführung in die Sozialwissenschaften. Ein Lehrprojekt von Till Schröter Draband

In der Vertiefung zur Einführung in die Sozialwissenschaften kommen die Lehramtsstudierenden des Grundschulfachs Sachunterricht erstmalig im Rahmen ihres Bachelorstudiums an der Universität Münster mit sozialwissenschaftlichen Inhalten in Kontakt. In seiner vertiefenden Übung stellte Till Schröter Draband neben der Verbindung von Fachinhalten und fachdidaktischen Inhalten eine Frage in den Vordergrund: Wie können außerschulische Lernorte sinnvoll für Lehr-Lern-Prozesse in der sozialwissenschaftlichen Perspektive genutzt werden? Außerdem standen das Interesse an und die Motivation zur Auseinandersetzung mit politischen Inhalten und die kritische Arbeit mit existierenden Unterrichtsmaterialien im Fokus der Übung.

Marburger Frauen im Nationalsozialismus. Ein Lehrprojekt von Randi Becker

Das Seminar „Marburger Frauen im Nationalsozialismus“ verbindet universitäre Lehre mit eigenständiger Forschung und öffentlicher Wissensvermittlung. Studierende erforschten anhand von Biografien aus Marburg und Umgebung die Lebens-, Verfolgungs- und Handlungsgeschichten von Frauen im Nationalsozialismus und machten ihre Ergebnisse in einer Wanderausstellung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. So werden Forschungserfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse über den universitären Kontext hinaus nutzbar und Impulse für politische Bildung und eine geschlechtersensible Erinnerungskultur gesetzt.

Digital Technologies in Global Security: Doing Critical Security Studies with (and against) AI. Ein Lehrprojekt von Delf Rothe

Welche Rolle spielen digitale Technologien wie KI, maschinelles Lernen oder digitale Zwillinge in Praktiken und Debatten globaler Sicherheit? Dieser Frage widmete sich das Seminar “Digital Technologies in Global Security: Doing Critical Security Studies with (and against) AI”, das im Wintersemester 2025/26 im Rahmen des Master of Peace and Security Studies an der Universität Hamburg stattfand. Dabei setzten sich die Teilnehmer:innen nicht nur konzeptionell theoretisch mit digitaler Sicherheitspolitik auseinander, sondern erprobten KI-Systeme selbstständig und kritisch in angeleiteten ko-kreativen Forschungsprojekten. Die Projektergebnisse – interaktive Karten, Podcasts, Forschungsposter – sind auf der Seminarwebsite digital-security-studies.de einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.

Tocqueville and the Future of Democracy. Ein Lehrprojekt von Sarah Strömel

Wie lässt sich die Demokratietheorie Alexis de Tocquevilles nutzen, um aktuelle Gefährdungen der Demokratie zu verstehen? Das englischsprachige Hauptseminar „Tocqueville and the Future of Democracy“ verband die intensive Auseinandersetzung mit Tocquevilles Demokratietheorie mit einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz zu aktuellen Fragen der De-Demokratisierung. Indem die Studierenden selbst in die Rolle von „commentators“ zu wissenschaftlichen Konferenzpapieren schlüpften, wurden Forschung und Lehre unmittelbar miteinander verzahnt und zugleich wissenschaftliche Diskussions- und Feedbackkompetenzen eingeübt. Die Verbindung von ideengeschichtlichen Primärtexten, aktueller Forschung und zeitgenössischen Materialien sowie innovative Peer-Feedback- und Beteiligungsformate machten das Seminar zu einem lebendigen Lernraum, in dem politische Theorie als Werkzeug zur Analyse gegenwärtiger demokratischer Herausforderungen erfahrbar wurde.

FachProfis. Ein Lehrprojekt von Kerstin Pohl

Sind die politikwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen eine gute Vorbereitung auf den Beruf als Politiklehrerin oder -lehrer? Das dort vermittelte Fachwissen ist essenziell für die fachwissenschaftliche Professionskompetenz, aber lassen sich in politikwissenschaftlichen Seminaren und Vorlesungen weitere wichtige Professionskompetenzen fördern? An der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz haben wir dafür praxisorientierte Bausteine entwickelt, erprobt und evaluiert, die in bestehende politikwissenschaftliche Lehrveranstaltungen integriert werden können. Beim Einsatz der Bausteine in über 30 Lehrveranstaltungen wurden didaktische, methodische, kommunikative und organisatorische Kompetenzen gefördert – nicht zuletzt hat auch das politikwissenschaftliche Fachwissen von der interaktiven Auseinandersetzung mit den Inhalten profitiert – nicht nur bei den Lehramtsstudierenden.

Between Memory and Reconciliation After Violence: Understanding Transformative Justice Through Art. Ein Lehrprojekt von Solveig Richter und Malin Nissen

Wie kann man jenseits von akademischem Wissen und Fachliteratur Kunst, interaktive Kulturprojekte und non-verbale Ausdrucksformen als Alltagspraktiken von transformative oder transitional justice für Studierende vermitteln? In dem Seminar „Memory and Reconciliation After Violence: Understanding Transformative Justice Through Art“ rückten die beiden Dozentinnen Solveig Richter und Malin Nissen von der Universität Leipzig das Verstehen, Erleben und (selbst)reflektive Lernen zum Thema von Erinnerungskultur und der Verarbeitung von Kriegs- und Gewalterfahrungen in den Mittelpunkt politikwissenschaftlicher Lehre. In Kooperation mit der Willy Brandt School of Public Policy der Universität Erfurt sowie der Universität Sarajevo setzten sie ein in dieser Form wohl einzigartiges Seminar um, im welchem zwei Studienreisen zur den Genozid-Gedenkstätten in Buchenwald und in Srebrenica in Bosnien und Herzegowina sowie die filmische Begleitung durch die eigene Entwicklung eines Dokumentarfilms mit Regisseur Ado Hasanovic den Kern des Masterseminars bildeten.

Spiele und Weltpolitik. Ein Lehrprojekt von Julian Eckl

Im Rahmen des Lehrprojektes „Spiele und Weltpolitik“ habe ich ein gleichnamiges Bachelorseminar entwickelt und im Herbstsemester 2025 erstmalig an der Universität St. Gallen durchgeführt. In dem Seminar werden sowohl politikwissenschaftliche Theorien der internationalen Beziehungen als auch Brettspiele als Modelle sozialer Realitäten konzeptualisiert. Im folgenden Blogbeitrag wird das Lehrprojekt rekapituliert. Dabei wird einerseits die Entwicklung des Seminars geschildert und andererseits auf die Besonderheiten des Seminars eingegangen, welches Studierende als eine neue Art des Lernens beschrieben haben.

Einleitung zur Blog-Reihe: Herausragende Lehre in der deutschen Politikwissenschaft 2026

Die DVPW und die Schader-Stiftung haben in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal den „Lehrpreis Politikwissenschaft“ verliehen. Der Preis hat zum Ziel, die besondere Bedeutung der Hochschullehre in der Disziplin sichtbar zu machen und die Qualität der Lehre in der deutschen Politikwissenschaft zu stärken. Ausgezeichnet werden können Lehrprojekte, die inhaltlich und/oder methodisch innovativ sind und sich durch eine besonders gute Didaktik und herausragendes Engagement der Lehrenden auszeichnen. 2026 hat die Jury den Lehrpreis Dr. Julian Eckl von der School of Economics and Political Science für sein Blockseminar „Spiele und Weltpolitik“ zuerkannt, das er im Wintersemester 2025/2026 an der Universität St. Gallen durchgeführt hat.

Vier Lehren aus der Gesundheitspolitik der Ampelkoalition für Politik und Politikberatung. Ein Beitrag von Lina Y. Iskandar und Nils C. Bandelow

Warum wurden manche Gesundheitsreformen der Ampelkoalition umgesetzt während andere trotz großen Problemdrucks scheiterten? Unsere Analyse zeigt, dass allein die Dringlichkeit eines Problems nicht entscheidend ist. Vielmehr bestimmen die Art des Problems, die beteiligten Akteure und ihre Vetomöglichkeiten maßgeblich die Erfolgschancen einer Reform. Daraus lassen sich konkrete Empfehlungen für Politik und Politikberatung ableiten.