Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft

Die Themengruppe Elitenforschung auf dem DVPW-Kongress 2027

Vom 7. bis 10. September 2027 wird der 30. Wissenschaftliche Kongress der DVPW zum Thema „Welt im Umbruch. Politikwissenschaft auch?“ an der Universität Leipzig stattfinden. #dvpw2027

Informationen zu Calls von Mitgliedern der Themengruppe werden hier fortlaufend veröffentlicht. Mitglieder der Themengruppe, die einen Call über diese Seite verbreiten möchten, können sich gerne an das Sprecher*innenteam wenden.

Weitere Informationen zum Kongress sind auf der offiziellen Kongress-Webseite verfügbar: https://www.dvpw.de/dvpw2027

Vorschläge für einen Beitrag sind bis zum 31. Oktober 2026 über das Portal meineDVPW einzureichen.

Panel 979 | Daten und neue Methoden in der Elitenforschung

Panel-Chair(s) / Panel Chair(s):

  • Veit, Sylvia, Prof. Dr., Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg, veithsu-hhde

Schlagwörter / Keywords: digitale Methoden, politische Eliten, Verwaltungseliten

Zuordnung zu Untergliederungen / Classification:

  • Sektion Politische Soziologie
  • Themengruppe Elitenforschung

Kurzbeschreibung / Abstract:

Die empirische Erforschung von Eliten ist ebenso relevant wie herausfordernd. Relevant ist deren Untersuchung aufgrund ihres privilegierten Zugangs zu Ressourcen und dem potenziell erheblichen Einfluss auf Politikinhalte, Institutionengestaltung und gesellschaftliche Entwicklung. Eliten sind aufgrund vielfacher Selektionsprozesse nie ein Abbild der Bevölkerung – wird die Lücke zwischen den Merkmalen und Einstellungen der Eliten und der Bevölkerung als sehr groß empfunden, führt das zu Konflikten und Legitimitätsproblemen. In einer Welt im Umbruch treten solche Konflikte und Legitimationsprobleme häufiger auf. Politische Eliten sind in Transformationsprozessen gleichzeitig zentral und umstritten; deren Erforschung ist deshalb eine wichtige Aufgabe der Politikwissenschaft. Die empirische Untersuchung dieser Gruppe ist mit besonderen Schwierigkeiten verbunden – das N ist naturgemäß eher klein und der Feldzugang herausfordernd. Während die Elitenforschung ihre empirischen Daten traditionell vor allem über Eliteninterviews generierte, ist das Feld heute methodisch deutlich breiter aufgestellt: Online-Elitensurveys, Social-Media-Analysen, Shadowing und prosopographische Analysen sind nur einige gängige Methoden der Datenerhebung. Digitale Methoden bieten neue Möglichkeiten zur Datenerhebung und Analyse. Im Panel werden aktuelle Datensätze sowie neue Forschungsmethoden der Elitenforschung präsentiert und diskutiert. Eingeladen sind zum einen Papiere, die neue Datensätze zu Eliten in Deutschland oder in international vergleichender Perspektive vorstellen. Zum anderen freuen wir uns über Einreichungen, welche sich mit neuen digitalen Methoden in der Elitenforschung (z. B. NLP-Tools, LLM-Modelle) befassen.

Panel 1037 | Deskriptive Repräsentation in politischen und gesellschaftlichen Eliten

Panel-Chair(s) / Panel Chair(s):

Schlagwörter / Keywords: Eliten, deskriptive Repräsentation, politische Kultur

Zuordnung zu Untergliederungen / Classification:

  • Sektion Politische Soziologie
  • Themengruppe Elitenforschung

Kurzbeschreibung / Abstract:

Die deskriptive Repräsentation sozialer Gruppen, insb. von Frauen, Ostdeutschen, Menschen mit Migrationshintergrund oder mit nicht-akademischen Berufsbiografien, findet vermehrt Aufmerksamkeit in der Politikwissenschaft. Untersucht wird die Legitimität deskriptiver Repräsentation sowie der Forderungen danach, oder Fragen nach den individuellen, strukturellen und institutionellen Ursachen. In jüngster Zeit werden vermehrt die Folgen mangelnder deskriptiver Repräsentation analysiert, einerseits für die Handlungsweise von Eliten und Institutionen, andererseits für die Systemunterstützung durch die Bevölkerung bzw. als Motivation für antielitäre und populistische Einstellungen und daraus resultierendes Wahlverhalten. Zunehmend wird die deskriptive Repräsentation, neben politischen Institutionen und Eliten, in weiteren Elitegruppierungen, z.B. Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft oder Militär, untersucht. 

Das Panel bietet Raum, diese unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren. Gesucht sind Beiträge zu folgenden und weiteren Fragen: Wie groß ist das Ausmaß deskriptiver Repräsentation verschiedener sozialer Gruppen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen? Welche Ursachen und Mechanismen führen zu den geringeren Rekrutierungschancen für Angehörige unterrepräsentierter Gruppen? Welche Folgen ergeben sich aus personeller Unterrepräsentation für die betroffenen Institutionen, Organisationen, für die betroffenen Gruppen selbst und die Gesellschaft insgesamt?  In welchem Verhältnis steht deskriptive Repräsentation zu anderen Formen von Repräsentation, z.B. substantielle oder symbolisch, und zu weiteren normativen Leitkriterien von Gesellschaften mit demokratisch-meritokratischem Selbstverständnis? 

Es sind empirische und theoretische Beiträge willkommen, die als Einzelfall- oder ländervergleichende Studien einzelne Gruppen, Institutionen oder Organisationen fokussieren oder komparativ untersuchen.

Panel 1038 | Politische Eliten als Ziel von Hass und Hetze: Ein Symptom des Umbruchs?

Panel-Chair(s) / Panel Chair(s):

  • Dinnebier, Laura, Universität Duisburg-Essen, Institut für Politikwissenschaft, laura.dinnebieruni-duede 
  • Blätte, Andreas, Prof. Dr., Universität Duisburg-Essen, Institut für Politikwissenschaft

Schlagwörter / Keywords: Politische Eliten, Demokratie, Resilienz, Polarisierung, Politische Gewalt

Zuordnung zu Untergliederungen / Classification:

  • Sektion Politische Soziologie
  • Themengruppe Elitenforschung

Kurzbeschreibung / Abstract:

Politische Eliten sind vielfach Ziel von Anfeindungen. Die mediale Berichterstattung sowie eine wachsende Studienlage legen die Vermutung einer Zunahme dieses Phänomens in den letzten Jahren nahe. Wie auch in der Begriffsvielfalt – ob Hass und Hetze, (Political) Violence (u.a. Herrick und Franklin 2019; Sanín 2020; Herrick et al. 2020), Hostility (u.a. Håkansson 2024), Harrasment (u.a. Bjørgo et al. 2022; Collingnon und Rüdig 2020) oder Inzivilität (Blätte et al. i. E.) – manifestieren sich darin unterschiedliche Erscheinungsformen. Diese können sowohl physischer als auch verbaler Natur sein, in der direkten oder indirekten Begegnung stattfinden und über verschiedene Kommunikationskanäle, online wie offline, vermittelt werden. Ihnen gemein ist: Sie verletzen deliberative Normen politischer Kommunikation. Dabei drängt sich die Frage auf, ob in einer Welt im Umbruch dies nicht nur Begleiterscheinung politischer Polarisierung, sondern vielmehr auch Ausdruck tieferliegender Transformationen ist.

Politische Eliten bilden dabei einen Bezugspunkt, der in der (deutschsprachigen) Politikwissenschaft noch wenig institutionalisiert ist, gleichwohl er von zentraler Bedeutung für verschiedene Konzepte ist. Das Panel bringt daher etablierte, entstehende und angrenzende Perspektiven der Elitenforschung mit Themen über gegen Eliten gerichteten Hass und Hetze ins Gespräch und diskutiert diese. Forschung zu politischer Kommunikation, Polarisierung oder politischer Repräsentation bilden dabei mögliche, aber nicht ausschließliche Zugänge. Beiträge können sich etwa mit Auswirkungen auf demokratische Prozesse, Folgen für Karriereverläufe und (un-)gleichen Betroffenheiten befassen. Ebenso willkommen sind Arbeiten zu Ausmaß, Ursachen sowie Erscheinungsformen von gegen politische Eliten gerichtete Anfeindungen, ihren Kontexten sowie zu digitalen Öffentlichkeiten, spezifischen Policy-Konflikten, (rechts-)populistischen und antifeministischen Mobilisierungen und zu Resilienz- und Gegenstrategien.