Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
Sektion Policy-Analyse und Verwaltungswissenschaft

Call for Papers für die 17. FoJuS Jahrestagung

„Politik und Verwaltung in Zeiten politischer Polarisierung und gesellschaftlicher Diversität“

12. bis 13. März 2024, Technische Universität Braunschweig

Hier als PDF abrufbar

Ein hohes Maß an sozialer und kultureller Diversität sowie die Verschärfung ideologischer Konfliktlinien bei gleichzeitiger Zunahme komplexer und schwerwiegender gesellschaftlicher Problemlagen und Krisen stellen Politik und Verwaltung aktuell vor erhebliche Schwierigkeiten. Im Kontext einer stark polarisierten und mediatisierten Öffentlichkeit sowie einer zunehmend fragmentierten politischen Landschaft werden die Gestaltung und Implementation staatlicher Maßnahmen immer öfter von heftigen ideologischen Auseinandersetzungen und gesellschaftlichem Widerstand begleitet. Dabei sind sowohl politische Akteure als auch Behörden zusehends mit der Herausforderung konfrontiert, die vielfältigen Interessen und Bedürfnisse gesellschaftlicher Gruppen bei der Steuerung und finalen Umsetzung staatlichen Handelns miteinander in Einklang zu bringen. Derweil erfordern die Dynamik und die Tragweite aktueller gesellschaftlicher Transformationsprozesse sowohl kurzfristig als auch langfristig umfassende neue Steuerungs-, Regulierungs- und Interventionsansätze sowie ein hohes Maß an Innovation und Anpassungsfähigkeit innerhalb staatlicher Institutionen.

Andererseits bringen Prozesse politischer Polarisierung und die zunehmende gesellschaftliche Diversität auch verschiedene Chancen zur Steigerung der Legitimität und Problemlösungsfähigkeit des politisch-administrativen Systems mit sich. Die erhöhte Intensität und Öffentlichkeit ideologischer Auseinandersetzungen in Politik und Gesellschaft haben das Potenzial, demokratische Willensbildungsprozesse zu beleben und dadurch die Partizipationsmöglichkeiten gesellschaftlicher Akteure an politischen Prozessen zu verbessern. Gleichsam werden die Tätigkeiten von Behörden durch erhöhtes öffentliches und mediales Interesse transparenter, was zu einer verbesserten Responsivität und Performanz des Verwaltungshandelns führen kann. Außerdem bietet die verstärkte Einbindung Angehöriger gesellschaftlicher Minderheiten in politische Organisationen und ins Personal der öffentlichen Verwaltung die Möglichkeit, den Abbau von Ungleichbehandlung und Diskriminierung in der Staat-Bürger-Interaktion zu fördern.

Die vielfältigen Implikationen, welche diese Zusammenhänge sowohl für den politischen Prozess als auch für die Umsetzung staatlichen Handelns durch die öffentliche Verwaltung mit sich bringen, sind Ausgangspunkt für die kommende FoJuS-Jahrestagung. Hierbei ergeben sich unter anderem folgende Fragestellungen:

  • Wie gehen Politik und Verwaltung mit kontroversen Policies und Politikinhalten um? Welche konkreten Zielkonflikte und Dilemmata ergeben sich für individuelle Akteure, Organisationen und Institutionen hinsichtlich konkurrierender und widersprüchlicher Werte und Interessen?
  • Welche Spannungsfelder sind zwischen politischen und administrativen Handlungslogiken zu beobachten? Inwieweit beeinflussen Prozesse politischer Polarisierung das Verhältnis von politischen, administrativen und gesellschaftlichen Akteuren?
  • Entlang welcher Muster verlaufen ideologische und parteipolitische Konfliktlinien? Welche Rolle spielen dabei verschiedene Politikfelder und -inhalte sowie regionale Disparitäten und vertikale Verschränkungen von Entscheidungs- und Implementationsstrukturen im Kontext von Multilevel Governance?
  • Welche Rolle spielen nicht-staatliche Akteure bei der Entwicklung und Ausprägung ideologischer Konflikte und der Mobilisierung gesellschaftlicher Interessen?
  • Welche Bedeutung haben die Interessen gesellschaftlicher Minderheiten und wie werden diese im politischen Prozess berücksichtigt? Welche Anforderungen ergeben sich für die direkte Interaktion zwischen Verwaltungsmitarbeitern und Bürgern sowie für Einstellungs- und Beförderungspraktiken im öffentlichen Dienst?
  • Welche Chancen und Risiken bringen Digitalisierung, künstliche Intelligenz und soziale Medien für die Artikulation gesellschaftlicher Interessen und Diskurse im Kontext einer polarisierten politischen Landschaft und Öffentlichkeit mit sich? Welche Implikationen ergeben sich für politische Partizipationsformen sowie die Interaktion zwischen Behörden und Bürgern?
  • Welche normativen und demokratietheoretischen Fragestellungen werfen Prozesse politischer Polarisierung und die zunehmende gesellschaftliche Diversität auf?

Diesen und vielen weiteren Fragestellungen möchten wir uns auf der 17. FoJuS-Jahrestagung aus verschiedenen Perspektiven der Policy-Forschung und der Verwaltungswissenschaft widmen. Willkommen sind sowohl qualitative und quantitative empirische Beiträge als auch konzeptionelle Arbeiten in deutscher und englischer Sprache. Außerdem freuen wir uns über eine methodische Vielfalt und begrüßen Analysen basierend auf Interviews, Umfragedaten, Dokumenten oder (Quasi-)Experimenten.

Wie immer können im Rahmen der Tagung auch Papiere in einem frühen Entwicklungsstadium sowie Auszüge aus Dissertationen vorgestellt werden. Gern richten wir auch offene Panels für Papiere ein, die keinen unmittelbaren Bezug zum Thema der Tagung haben.

Zudem bietet sich bei der kommenden FoJuS-Jahrestagung die Möglichkeit, die Vorstellung eines Beitrages mit einer Teilnahme an der Tagung der DVPW-Sektion Policy-Analyse und Verwaltungswissenschaft zu verbinden, die unmittelbar im Anschluss am 14. und 15. März ebenfalls an der TU Braunschweig stattfindet und den Themenschwerpunkt Multilevel Governance hat.

Eure Beitragsvorschläge (Abstracts von circa 300 bis 500 Wörtern) sendet ihr bitte bis zum 08.11.2023 per E-Mail an Laurin Friedrich (laurin.friedrich[at]uni-due.de). Zusagen werden bis zum 22.11.2023 versendet.

Wir freuen uns auf zahlreiche Beiträge und eine spannende Tagung!

Das FoJuS-SprecherInnenteam

(Svenja Bauer-Blaschkowski, Sandra Plümer und Laurin Friedrich)