Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft

Kongress-Thema

"Welt im Umbruch. Politikwissenschaft auch?"

30. DVPW-Kongress, 7.-10. September 2027, Universität Leipzig

Die gegenwärtigen globalen Krisen und Transformationsprozesse reichen von geopolitischen Machtverschiebungen über demokratische Erosionserscheinungen bis hin zu Digitalisierung, Klimawandel und neuen Konfliktformen. Sie stellen nicht nur politische Ordnungen, sondern auch die Politikwissenschaft vor grundlegende Herausforderungen. Auf dem Kongress fragen wir danach, wie sich die Politik, gesellschaftliche Erwartungen und wissenschaftliche Selbstverständnisse verändern und wechselseitig beeinflussen.

Der Kongress bringt alle Teilbereiche der Politikwissenschaft in unterschiedlichen Formaten miteinander ins Gespräch. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Repräsentation, Legitimität und politischer Handlungsfähigkeit unter den Bedingungen einer Welt im Umbruch. Diskutiert werden unter anderem Veränderungen demokratischer Institutionen und Öffentlichkeiten, neue Formen politischer Mobilisierung und Polarisierung, die Verschiebung internationaler Macht- und Sicherheitsordnungen sowie normative Debatten über Demokratie, Partizipation und globale Gerechtigkeit. Zugleich richtet sich der Blick auf die Politikwissenschaft selbst: Welche Begriffe, Methoden und theoretischen Perspektiven sind geeignet, gegenwärtige Dynamiken zu analysieren? Wie verändern Interdisziplinarität, Internationalisierung und neue thematische Schwerpunkte von Förderpolitiken der EU und Deutschlands die Disziplin? Wie reagiert die Politikwissenschaft auf fundamentale Herausforderungen wie steigende Wissenschaftsskepsis, aber auch stetigen Kürzungsdruck? Und welche Rolle kommt politikwissenschaftlicher Expertise in polarisierten Öffentlichkeiten zu?

Leipzig ist ein perfekter Ort, um diesen Fragen nachzugehen: Hier erhielt die friedliche Revolution 1989 durch Massenproteste auf der Straße einen entscheidenden Impuls. Es folgten Jahre des Umbaus und Schrumpfens; nicht alle Erwartungen von 1989 erfüllten sich in diesem Transformationsprozess. Seit den 2010er Jahren verändert sich die Stadt erneut. Ein rasanter Zuzug aus dem In- und Ausland infolge von Neuansiedlungen von Unternehmen und Fluchtbewegungen schuf neue Anforderungen an Infrastruktur und Integration. Leipzig blickt auf Jahrzehnte des Umbruchs zurück und verbindet in der Gegenwart als traditioneller Messe-, Forschungs- und Musikstandort lokale Fragestellungen mit internationalen Perspektiven und interdisziplinärem Austausch.