Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
Frist: 15.09.2021

CfP - Herbstforum-Promotionswerkstatt 2021 "Gesellschaftspolitische Polarisierungen und die Suche nach Solidarität" (09. - 10. November 2021 in Berlin) mit anschließendem Besuch des WSI Herbstforums "SOLIDARITÄT IN DER KRISE - Wie können wir die Post-Corona-Gesellschaft solidarisch gestalten?" (10. November 2021 im Tagungswerk Berlin & online), Berlin

Herbstforum-Promotionswerkstatt 2021

Gesellschaftspolitische Polarisierungen und die Suche nach Solidarität

09. - 10. November 2021 in Berlin

Die Herbstforum-Promotionswerkstatt 2021 ist Teil des jährlich stattfindenden Herbstforums des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Interessierte Promovierende haben im Rahmen der Promotionswerkstatt am 09.11.2021 die Möglichkeit, ihre Arbeiten vorzustellen. Die Veranstaltung zielt darauf, einen Diskussionsraum für Forschungsvorhaben zu eröffnen, Einblicke in den Wissenschaftsbetrieb zu geben und am nächsten Tag gemeinsam das „WSI-Herbstforum 2021: Solidarität in der Krise“ zu besuchen.

In Anlehnung an das Thema des diesjährigen WSI-Herbstforums werden wir in der Promotionswerkstatt aus einem multidisziplinärem Ansatz heraus der Frage nachgehen, welche Formen der politischen, ökonomischen und sozialen Polarisierung zeitdiagnostisch gefasst werden können und wie unterschiedliche politische Akteure auf diese Prozesse reagieren.

Zum Auftakt wollen wir nach einer Keynote von Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, Wissenschaftliche Direktorin des WSI, gemeinsam die Bedeutung von Solidarität für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Krisenbewältigung erörtern. Anschließend können Promovierende ihre Arbeiten (und ggf. erste Forschungsergebnisse) vorstellen und mit den Teilnehmenden sowie erfahrenen Wissenschaftler*innen diskutieren. Zudem gibt es die Möglichkeit, Dissertationsvorhaben im informellen Austausch, beispielsweise bei einem Promotionsprojekt-Speednetworking am Abend, zu präsentieren.

Wir freuen uns über Beiträge von Promovierenden in unterschiedlichen Phasen ihrer Dissertation, die sich mit ihrem Promotionsthema in den thematischen Rahmen im engeren wie weiteren Sinne einfügen. Mögliche Leitfragen sind:

  • Welche Hinweise lassen sich für die These einer zunehmenden Tendenz gesellschaftspolitischer Polarisierungen finden? Auf welche unterschiedliche Art und Weise äußert sich diese Spaltung und das Auseinanderdriften – und wie lässt sich dies analytisch fassen? (bspw. Ungleichheitsanalysen, Analysen der sozialen Mobilität, gesellschaftliche und politische Abgrenzungs- und Ausschlussprozesse, Umbrüche auf dem Arbeitsmarkt etc.) Welche ökonomischen Verteilungsfragen wirft dies auf?
  • Inwiefern sind neuere soziale Bewegungen, wie z.B. Fridays for Future, oder die Erfolge populistischer Parteien Ausdruck dieser zunehmenden Polarisierung? Welche Schlüsse lassen sich aus einer Analyse dieser Akteure über den Zustand sowie für die Zukunft der Demokratie ableiten?
  • Was bedeutet eigentlich Solidarität und welche Erfahrungen gelebter Solidarität lassen sich gerade in Krisenzeiten (etwa in der Corona-Krise, der Finanzkrise oder der Flüchtlingskrise) beobachten? Welchen Interessen dient die Betonung von Solidarität? Äußert sich hier der Wunsch nach einer „befriedeten Gesellschaft“, in der politische Konflikte stillgelegt werden sollen, oder ist diese Betonung von Solidarität selbst ein polarisierendes Mittel, das den eigenen Interessen dient?
  • Mit welchen Herausforderungen sieht sich der Sozialstaat in seinen Strukturen solidarischer Unterstützung und Umverteilung in Zukunft konfrontiert und welche sozialpolitischen Konzepte stehen dabei zur Verfügung oder werden entwickelt?

Interessierte Promovierende bewerben sich bis zum 15. September 2021 mit einem kurzen Abstract (max. 1 Seite), welcher das Thema und die zentrale(n) Forschungsfrage(n) enthält. In der Bewerbung per E-Mail an herbstforum-werkstattboecklerde geben Interessierte an, ob sie eine Präsentation halten oder ihre Arbeit im Rahmen des Speednetworking vorstellen möchten. Wir möchten Promovierende in der Anfangsphase ausdrücklich dazu ermutigen, sich zu bewerben! Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Wir informieren über eine erfolgreiche Bewerbung bis zum 25. September 2021.

Die Promotionswerkstatt findet in Berlin-Mitte in den Räumen der Hans-Böckler-Stiftung von 14 bis 19 Uhr mit anschließendem Abendessen (+ Speednetworking) statt. Am nächsten Tag besuchen die Teilnehmenden gemeinsam das WSI-Herbstforum von 11 bis 17.15 Uhr im Tagungswerk in Berlin-Kreuzberg.

Das WSI der Hans-Böckler-Stiftung übernimmt die Kosten für das gemeinsame Abendessen, die An- und Abreise sowie die Übernachtung in Berlin. Teilnahmegebühren für die Promotionswerkstatt und das Herbstforum werden nicht erhoben. Soweit es die Pandemie-Lage erlaubt, findet die Veranstaltung vor Ort statt. Alternativ wechseln wir in ein virtuelles Format.

Kontakt

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung Magdalena Polloczek

Georg-Glock-Str. 18 40474 Düsseldorf

Mail: herbstforum-werkstattboecklerde

Hier finden Sie den Call for Participation. 

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WSI HERBSTFORUM 2021

SOLIDARITÄT IN DER KRISE

Wie können wir die Post-Corona-Gesellschaft solidarisch gestalten?

10. November 2021 im Tagungswerk Berlin & online

ir können die Corona-Krise nur gemeinsam bewältigen – das ist breiter gesellschaftlicher Konsens. Solidarität ist dabei immer beides: eine gelebte soziale Praxis und eine gesellschaftliche Organisationsform, wie beispielsweise durch die Ausgestaltung des Wohlfahrtsstaats. Solidarität stützt den sozialen Zusammenhalt – sie ist das soziale Band, das moderne Gesellschaften zusammenhält.

Wie bedeutsam diese Aspekte sind, wurde in den vergangenen Monaten deutlich: Solidarität wurde im Alltäglichen und in unmittelbarer Umgebung erlebt, sei es in Nachbarschaftsinitiativen, durch #supportyourlocals-Aufrufe für die lokale Wirtschaft oder schlicht durch das Einhalten der AHA-Regeln. Die Zeit der Pandemie hat darüber hinaus die Stärke einer solidarischen Gesellschaftsordnung aufgezeigt: Solidarisch finanzierte Arbeitsmarkt-Instrumente wie das Kurzarbeiter:innengeld haben viele Beschäftigte in der Krise vor Arbeitslosigkeit geschützt. Auch kamen Beschäftigte in mitbestimmten Betrieben und in tarifgebundenen Beschäftigungsverhältnissen in der Regel besser durch die Krise, weil sie häufiger eine Aufstockung des Kurzarbeiter:innengeldes oder Zugang zu Weiterbildung erhalten haben. Solidarität erwies sich somit auf vielen Ebenen als wichtige Ressource, um die ersten sozialen Folgen der Pandemie zu bewältigen.

Andererseits sehen wir bereits, dass die sozialstaatlichen Instrumente bestimmte Gruppen von Erwerbspersonen nicht mehr schützen. So wird immer deutlicher, dass die Lasten der Krise ungleich verteilt sind. Personen mit geringem Einkommen, prekär Beschäftigte und Selbstständige waren besonders stark von Einkommenseinbußen betroffen. Zwar gab es umfängliche Solidaritätsbekundungen mit Menschen in system-relevanten Arbeitsverhältnissen, eine bessere tarifvertragliche Absicherung scheiterte jedoch zum Beispiel in der Pflege. Das Ringen um geeignete Antworten und Maßnahmen auf die pandemiebedingten Entwicklungen stellt den sozialen Zusammenhalt zunehmend auf die Probe.

Vor diesem Hintergrund und angesichts der Herausforderungen, vor denen Deutschland im Herbst 2021 am Beginn einer neuen Legislaturperiode steht, erörtert das WSI-Herbstforum 2021, ob und wie Solidarität die Gestaltung der Post-Corona Gesellschaft prägt: Ist die Gesellschaft durch Corona gleicher oder ungleicher geworden? Welche Faktoren haben die jeweiligen Entwicklungen beeinflusst? Mit welchen sozialstaatlichen Instrumenten soll Arbeit zukünftig abgesichert werden? Und wie steht es um den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft – aktuell und mit Blick in die Zukunft? Diese und weitere Fragen wollen wir zusammen mit Wissenschaftler:innen wie auch Praktiker:innen aus Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften diskutieren.

Hier finden Sie das Tagungsprogramm.