Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
Frist: 15.11.2018

Call for Papers: X. Internationales Tönnies Symposium

Call for Papers


X. Internationales Tönnies Symposium


Anlässlich des Erscheinens von Gemeinschaft und Gesellschaft – des Hauptwerks von Ferdinand Tönnies (1855-1936) – als Band 2 der Tönnies-Gesamtausgabe findet vom 5. bis 7. September 2019 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel das X. Internationale Tönnies Symposium statt, organisiert durch die Ferdinand Tönnies Gesellschaft. Die Tagung wird zweisprachig (Deutsch und Englisch) sein.


Unter dem Titel Gemeinschaft und Gesellschaft: Gemeinwohl und Eigeninteresse heute soll es darum gehen, dem Denken von Ferdinand Tönnies vor dem Hintergrund aktueller vielfältiger sozialer Herausforderungen und Krisen nachzuspüren. Außerdem soll der thematische Reichtum des Klassikers im Kontext der Wissenschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts beleuchtet werden. Beiträge aus allen Wissenschaften sind willkommen.


Vorschläge für Vorträge könnten sich z. B. an folgenden Themen orientieren:


o Tönnies als politischer Denker
Vom politischen Denken Ferdinand Tönnies‘ ist bis heute seine entschiedene publizistische Opposition gegen den Nationalsozialismus bekannt. Aber er war als politischer Publizist und kritischer Kommentator schon im Kaiserreich, während des Ersten Weltkriegs und in der Weimarer Republik tätig. Zur Verteidigung der Weimarer Republik unterbreitet er realitätstüchtige Vorschläge, um einen breiten Konsens der demokratischen Kräfte zu ermöglichen. Er entwickelt zudem eine originelle Demokratietheorie, die gleichsam im Vorgriff auf die Verfassungskonzeption des Grundgesetzes u. a. eine starke Verfassungsgerichtsbarkeit und eine öffentlich-rechtliche Publizistik begründet. Was macht den politischen Denker Tönnies im historischen Kontext aus, gibt es Ansätze, die weiterweisen?
o Tönnies und die werdende Sozialwissenschaft I – Naturwissenschaftlicher, speziell biologischer Kontext (Positivismus)
Tönnies entwickelte seine Soziologie in einer Zeit rasanten Erkenntnisgewinns in der Naturwissenschaft, namentlich in der Abstammungslehre. Er war ein entschiedener, aber in sich reflektierter Positivist, gleichzeitig Gegner soziobiologischer Hybris. Enthält sein Werk einen Beitrag zu heutigen wissenschaftlichen, wissenschaftsethischen und gesellschaftlichen Diskursen?
o Tönnies und die werdende Sozialwissenschaft II – Philosophisch-geistesgeschichtlicher Kontext
Tönnies war überzeugt, dass die Soziologie „eine philosophische Wissenschaft“ ist. Entsprechend breit rezipiert er das philosophische Denken von den Griechen bis zur zeitgenössischen Philosophie. Ist eine so fundierte Soziologie noch zeitgemäß? Und könnte sie vielleicht umgekehrt ihrerseits die Diskussion zwischen Einzelwissenschaften und Philosophie beleben?
o Tönnies und die Ambivalenz der Moderne
Insbesondere in Gemeinschaft und Gesellschaft tritt Tönnies als moderner Analytiker der Ambivalenzen des Projekts der Moderne auf. Lassen sich seine Analysen mit Blick auf die aktuellen Debatten über a) Wirtschaftsethik, b) Mitgliedschaft und Zugehörigkeit in politischen Verbänden und c) einem nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen fruchtbar machen?
o Der unsichtbare Tönnies
Tönnies ist vor allem ein Klassiker der Soziologie und wird bis heute auch so wahrgenommen – nur wird solche Rezeption nicht immer explizit, sondern erfolgt häufig in parallelen Gedankengängen. Dieser ‚unsichtbare Tönnies‘ kann sichtbar gemacht werden.
o Gemeinschaft – Virtualität – Öffentliche Meinung
In seiner Kritik der öffentlichen Meinung möchte Tönnies soziologisch verstehen, wie Meinungen in Köpfen entstehen. Heute diskutieren wir die Dynamik öffentlicher Meinungsbildung in der Digitalität. Das Bild der ‚Gemeinschaft‘ wird in der digitalen Welt gern bemüht. Social Influencer binden mit pseudo-gemeinschaftlichen Tricks ‚Follower‘. Phänomene wie Filterblasen und die den Fake-News entgegenkommenden digitalen Formate konterkarieren Tönnies‘ Idee eines Gerichtshofs der Öffentlichen Meinung und machen ihn nötiger denn je, um der gezielten Verwirrung von Information und Desinformation entgegenzuwirken zu können. Was wäre unter den Bedingungen der Digitalität die Aufgabe einer Pflege veröffentlichter und Öffentlicher Meinung?
o Tönnies und die Weltgemeinschaft – Internationale Politische Soziologie, Internationale Beziehungen und Internationales Recht
Lässt sich mit Tönnies – sowohl positiv als auch negativ – das Konzept einer Weltgemeinschaft denken? Welche Rolle nimmt hierbei das Recht ein?
o Erträge und Desiderate der Tönnies-Forschung
Von der Tönnies-Gesamtausgabe sind bislang neun Bände erschienen. Verändert das nun vorliegende Material den Blick auf Tönnies? Welche Themen und Zusammenhänge müssen noch näher beleuchtet werden?


Abstracts in deutscher oder englischer Sprache erbitten wir im Umfang von maximal 2000 Zeichen bis zum 15.11.2018 an den Wissenschaftlichen Referenten der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft e.V., Herrn Sebastian Klauke: ftg-kiel@t-online.de