Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
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2. DVPW-Impulstagung: Call for Papers

Demokratie(n) vor, während und nach Populismus – Globale Herausforderungen für empirische Demokratieforschung, Demokratietheorie und politische Bildung

20.-21. Mai 2027, Universität Rostock

Über den Zusammenhang von Populismus und Demokratie sind in den vergangenen Jahren sowohl im akademischen als auch im politischen Raum intensive Debatten geführt worden. Im Zentrum der politikwissenschaftlichen Diskussionen standen zumeist Fragen nach dem ideologischen Status des Populismus, seinem Verhältnis zu liberalen Institutionen sowie seiner normativen Bewertung zwischen demokratischer Radikalisierung und autoritärer Gefahr. Parallel dazu hat sich eine breit gefächerte Literatur zur demokratischen Erosion, zu „backsliding“ und hybriden Regimeformen etabliert.

Auffällig ist jedoch, dass beide Diskussionsstränge – Populismusforschung und Demokratierückgang – häufig reaktiv und regional begrenzt geführt werden. Erstens wird Populismus meist als Störung einer vermeintlich stabilen liberalen Demokratie interpretiert. Zweitens liegt der empirische Fokus stark auf Europa und Nordamerika, während Entwicklungen in Lateinamerika, Afrika oder Asien selten und wenn, dann eher als Sonderfälle behandelt werden.

Zudem ist die politische Entwicklung, auf die Demokratie- und Populismusforschung zu reagieren haben, fortgeschritten, und es sind erste Fälle postpopulistischer demokratischer Rekonstruktionsversuche zu beobachten, die ein differenziertes Bild gelingender oder auch nur temporärer bzw. erschwerter Rückkehr zu liberalen demokratischen Prozeduren andeuten – etwa in Polen nach 2023, in den USA mit der Rückkehr Trumps oder in Brasilien nach der Präsidentschaft Bolsonaros. Dabei ist die Rolle politischer Bildung häufig auf die präventive Einflussnahme politischer Entwicklungen begrenzt. Untersuchungen über die Einschränkungen während und ihre Rolle in der Phase der Rückkehr zu liberal-demokratischen Prozessen, bleibt bisher ungesehen. 

Die geplante Impulstagung setzt hier an und verfolgt drei innovative Perspektiven:

  1. Phasenperspektive: Populismus wird als mögliche Phase im Lebenszyklus demokratischer Ordnungen analysiert – so dass wir von Demokratie vor, während und nach populistischen Konstellationen sprechen können.
  2. Globalvergleichende Perspektive: Demokratien werden nicht primär aus westlich-liberaler Perspektive betrachtet, sondern in ihrer globalen Vielfalt und historischen Einbettung gesehen, sowohl bezüglich ihrer ideengeschichtlichen und theoretischen Konzeptionalisierungen und Rechtfertigungen als auch hinsichtlich empirisch beobachtbarer demokratischer Prozeduren und Muster.
  3. Die Dimension der politischen Bildung: Die Rolle, die politische Bildung in den drei Phasen jeweils spielt bzw. spielen kann oder sollte wird besonders hinsichtlich längerfristiger Effekte auf politische Kultur in den Blick genommen

Daraus ergeben sich eine Vielzahl von möglichen Fragestellungen:

Ist Populismus eine systemimmanente Phase demokratischer Entwicklung – und wenn ja, welche Muster zeigen sich im globalen Vergleich vor, während und nach populistischen Konstellationen?

Welche Ursachen hat der Aufstieg von Populismus? Sind es funktionale Krisen demokratischer Repräsentation oder unvollständige Demokratisierungsprozesse? Sozio-ökonomische Probleme? Globale (Inter)Dependenz? Defizite politischer Bildung bzw. mangelnde Sozialisierung und Internalisierung demokratischer Normen? Oder sind es (normative) Ambivalenzen demokratischer Ordnungen selbst?

Sind populistische Regierungen als defizitäre Varianten liberaler Demokratie, als hybride Regime oder als eigenständige (demokratische?) Regimeformen anzusehen? Ist „illiberale Demokratie“ noch eine Demokratie oder schon eine Autokratie?

(Wie) kann in einer post-populistischen Phase die Rückkehr zu liberaler, pluralistischer Demokratie gelingen? Kann dabei auf längerfristig wirkende und in der populistischen Phase günstigenfalls unbeschadete Tiefenstrukturen politischer Bildung und der Zivilgesellschaft zurückgegriffen werden? 

Ist Populismus eine episodische Verdichtung demokratischer Spannungen – oder markiert er in manchen Fällen einen dauerhaften Strukturwandel demokratischer Ordnungen?

Diese Perspektiven und Themenstränge erlauben globale, inter- und intraregionale Vergleiche sowie Fallstudien. Zudem bieten sie Anknüpfungspunkte für unterschiedliche theoretische und methodische Zugänge, quantitative, qualitative und multi-methods-Ansätze, die aus der Vergleichenden Politikwissenschaft, der Politischen Theorie, der Politischen Bildung und angrenzenden subdisziplinären Kontexten stammen können. Besonders erwünscht sind Beiträge, die sich auch mit außereuropäischen Populismen beschäftigen, z.B. mit Lateinamerika.

Willkommen sind daher Vorschläge (max. 300 Wörter Inhalt) in deutscher oder englischer Sprache, die an diese Fragestellungen bzw. an die übergeordneten Fragen anknüpfen.

Die Impulstagung möchte auch Q-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern die Chance eröffnen, sich an Veranstaltungen der DVPW zu beteiligen. Bis zu 15 Q-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler können einen Tagungszuschuss von jeweils bis zu 300 Euro für Reisekosten erhalten. Q-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler, die diese Förderung erhalten möchten, mögen dies bitte bei der Einreichung von Abstracts mitteilen. Bei mehr als 15 qualifizierten Meldungen entscheidet neben der thematischen Passung das Los.

Bitte senden Sie Ihren Vorschlag bis zum 15. Oktober 2026 an folgende E-Mail-Adressen: wolfgang.munouni-rostockde; alexander.weissuni-rostockde; gudrun.heinrichuni-rostockde.