Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
13.10. - 14.10.2022

Einladung zum Vernetzungstreffen und Gründungsworkshop einer DVPW Themengruppe, Kassel

Queer(-feministische) Politikwissenschaft und LGBTIQ-Studies

Die Politikwissenschaft bleibt bisher, wie Nicola J. Smith und Donna Lee (2015) in ihrer Untersuchung politikwissenschaftlicher Rezeptionspraktiken zeigen, „distinctly untroubled by queer theory [...] and impoverished compared to other social science disciplines that are far more inclusive of issues surrounding gender, sexuality and embodiment“ (Smith/Lee 2015: 49ff). Diese mehrfach konstatierte Rezeptionssperre (Thomas 2017; Thiel 2015; Paternotte 2018) manifestiert sich in der deutschsprachigen Politikwissenschaft besonders deutlich: Bis auf wenige Ausnahmen gibt es kaum Bezüge zu queeren Konzepten und Theorieansätzen, auch zählen Themen wie LGBTI*Q-Bewegungen, LGBTI*Q-Feindlichkeit oder LGBTI*Q-Rechte nicht zu den präferierten Forschungsgegenständen der hiesigen Politikwissenschaft. Die politikwissenschaftliche Marginalisierung dieser Themen positioniert auch die jeweiligen Forschenden oftmals m Rand, wenn nicht gar außerhalb der Disziplin. Zusätzlich sind LGBTI*Q-Forschende weiterhin von individueller und struktureller Diskriminierung im Feld betroffen (Ayoub 2022).

 

Gleichzeitig verweisen aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzungen auf die Relevanz queer- und LGBTI*-politischer Fragen. So avancierten z.B. LGBTIQ*- Rechte in den letzten Jahren zum zentralen Knotenpunkt neuer nationalistischer, rechtspopulistischer und extrem rechter Bewegungen und fungieren als Kulminationspunkt internationaler und nationaler Debatten um „Menschenrechte“, „(liberaler) Demokratie“, „Modernität“ oder „Fortschrittlichkeit“.

 

Vor diesem Hintergrund möchten wir zu einem Vernetzungstreffen und Workshop einladen, mit dem Ziel einen neue DVPW Themengruppe „Queer(-feministische) Politikwissenschaft und LGBTIQ-Studies“ zu gründen. In diesem Zusammenhang sollen im Rahmen eines Open Space Workshops sowohl (Karriere-)Erfahrungen von (Politik-)Wissenschaftler*innen und Forscher*innen in diesem Feld diskutiert werden, als auch kurze Präsentationen der jeweiligen Forschungsschwerpunkte, - interessen und -zugänge u.a. entlang der Frage „How queer is Political Science“ erfolgen. Wir wollen die Potentiale aber auch Hindernisse eines stärkeren Dialoges zwischen Politikwissenschaft und den LGBTI*/Queer Studies sowie Fragen der Sichtbarkeit und Anerkennung queer_feministischer und LGBTIQ*-bezogener Forschungsthemen ausloten.

 

Bei Interesse an einer Teilnahme melden Sie sich bei cklapeer@uni-kassel.de

 

Das Organisationsteam: Michael Hunklinger (Universität Krems), Christine M. Klapeer (Universität Kassel), Johanna Leinius (Universität Frankfurt), Inga Nüthen (Universität Marburg), Mariel Reiss (Universität Marburg), Tarek Shrukalla (Humboldt-Universität zu Berlin).