Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
21.09. - 23.09.2022

Tagung „Urbane Sozialformen des Religiösen zwischen Pluralisierung und Regulierung“

Ort: Hamburg

Stichtag für Abstracts: 01.05.2022

Fokus der Tagung

Sowohl die vielfältigen Erscheinungsformen einer neuen urbanen religiösen Diversität als auch ihre Regulierung sind in den letzten Jahren in den Blick unterschiedlicher Disziplinen gerückt und erforscht worden. Auffällig ist allerdings, dass die verschiedenen Forschungsstränge meist unverbunden nebeneinanderstehen. Während die einen die Individualisierung religiöser Praxen und neue fluide Sozialformen des Religiösen thematisieren, untersuchen andere die auf organisierte Formen bezogene Regulierung religiöser Pluralität. In Zusammenschau beider Perspektiven wird deutlich, dass die institutionalisierten Formen religiöser Vielfalt und die damit verbundenen politischen Anerkennungsverfahren selbst erneut Ein- und Ausschlüsse produzieren und oftmals hinter den komplexen Entwicklungen und vielgestaltigen Prozessen religiöser Vergemeinschaftungen im urbanen Raum zurückbleiben. Vor diesem Hintergrund soll der Workshop urbane Sozialformen des Religiösen der letzten Jahrzehnte unter den Perspektiven von Pluralisierung, Glokalisierung und Regulierung thematisieren und dazu dienen, die sich teilweise isoliert entwickelnden Forschungsstränge miteinander in Beziehung zu setzen. Der Fokus richtet sich darauf, die Verbindungen, Wechselwirkungen sowie Spannungsverhältnisse auszuloten, die zwischen beiden Entwicklungen bestehen, und diese auch hinsichtlich normativer Implikationen und Herausforderungen seitens Politik, Religionsgemeinschaften und Gesellschaft zu reflektieren.

Der Workshop ist in drei Sektionen organisiert: Urbane Sozialformen des Religiösen: (1) Individualisierte Praxen, Interaktionen, (2) Urbane Formen der Regulierung und (3) Dialog, Materialität und Raum.

 

Sektion 1:

Urbane Sozialformen des Religiösen: Individualisierte Praxen, Interaktionen Sektion 1 befasst sich mit Forschungen zu individueller Religiosität und neuen Sozialformen des Religiösen im urbanen Raum. Zum einen sind dabei Studien von Interesse, die auf stadträumliche Prozesse schauen, die durch vornehmlich migrantisch geprägte religiöse Gruppen ausgelöst worden sind und dementsprechend auf die Dynamik religiöser Raumproduktionen im urbanen Kontext in der Folge von Glokalisierungsprozessen schauen. Zum anderen richtet sich das Interesse auf Spielarten alternativer und neuer Spiritualitäten, die sich durch fluide Formen der Zugehörigkeit sowie fließende und vergängliche Sichtbarkeiten auszeichnen und sich weniger räumlich-materiell manifestieren, sondern eher in kaum wahrnehmbaren, aber an öffentlichen Orten stattfindenden Ritualen zur Geltung kommen.

 

Sektion 2:

Urbane Formen der Regulierung: Diese Dynamik befördert Austausch und Kooperation, aber auch Konflikte, womit die Frage der Steuerung religiöser Vielfalt an Bedeutung gewinnt. Sektion 2 lenkt den Blick auf Städte als Orte der Mesoebene zwischen den übergeordneten Entwicklungen und Regulierungen der Makroebene und dem individuellen Handeln auf der Mikroebene und fragt nach institutionellen Entwicklungen, Ansätzen und Bedingungen für das Zusammenleben in multireligiösen säkularen Stadtgesellschaften. Damit sind Forschungen von Interesse, die sich damit befassen, wie und mit welchen Intentionen und Wirkungen religiöse und weltanschauliche Vielfalt im urbanen Raum von Religionsgemeinschaften, Staat, Zivilgesellschaft in unterschiedlichen Akteurskonstellationen und -kooperationen gestaltet, geregelt und reguliert wird.

 

Sektion 3:

Dialog, Raum und Materialität: Die Regulierung religiöser Diversität im stadt- und raumbezogenen Handlungsfeld zeigt sich in besonderer Weise anhand von mitunter konflikthaften Aushandlungsprozessen zwischen verschiedenen Akteursgruppen um die Frage der (Um-)Gestaltung des Räumlich-Materiellen im urbanen Raum. Sektion 3 nimmt daher die Transformation religiöser Räume in den Blick und thematisiert die verschiedenen Raumtypen – von Kirchen (-umnutzungen), Moscheen und Synagogen bis zu interreligiösen Umnutzungen und multireligiösen Sakralbauten – in ihrem Verhältnis zu multireligiösen säkularen Stadtgesellschaften.

 

Hinweise zu Abstracts:

Erwünscht sind aussagekräftige Abstracts (300-500 Wörter) zu Beiträgen zu einem oder mehreren dieser Themen bis zum 30.04.2022. Eine Publikation der Beiträge ist geplant. Bitte senden Sie das Abstract an: Anne Kunhardt (anne.kunhardt@gmx.de) und Cc an: grossboelting@zeitgeschichte-hamburg.de, karen.koerber@igdj-hh.de, anna.koers@uni-hamburg.de.

 

Kosten:

Die für die Teilnahme anfallenden Reise-, Unterkunfts- und Verpflegungskosten werden von der Universität Hamburg übernommen. Die Tagung wird mit Förderung durch den Ideen- und Risikofonds der Universität Hamburg in Kooperation der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH), des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ) und der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg durchgeführt.

Ansprechpartner

Anne Kunhardt anne.kunhardt@gmx.de