Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
Frist: 15.02.2026

CfP - Regionalorganisationen im Zeitalter der Geopolitik – zwischen Herausforderungen und neuer Integrationsdynamik, Osnabrück

In den vergangenen Jahren, spätestens aber seit der russischen Invasion in die Ukraine, sehen sich Regionalorganisationen wie die Europäische Union mit einer veränderten geopolitischen Realität konfrontiert. Während in der Vergangenheit die Schaffung gemeinsamer Märkte, die Förderung globaler wirtschaftlicher Kooperation und der Glaube an den Multilateralismus regionale Integrationsprozesse weltweit und in der EU prägten, wird dieses liberale Paradigma grundlegend durch eine neue Geopolitik herausgefordert. Diese ist gekennzeichnet durch strategische Rivalität zwischen Staaten, eine Konkurrenz wirtschaftlicher und politischer Systeme sowie einen intensivierten Wettlauf im Bereich von Schlüsseltechnologien und den Zugang zu kritischen Rohstoffen.

Die wissenschaftliche Debatte hierzu nimmt aktuell an Fahrt auf und adressiert geopolitische Herausforderungen in einem breiten Spektrum an Themen und Politikfeldern – von der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik über regionale Kooperation, Energie- und Handelspolitik bis hin zur globalen Klimapolitik. Dies spiegelt einen grundlegenden Wandel in (einigen) politischen Agenden wider, die nationale Autonomie betonen und eine Abkehr von globaler Zusammenarbeit und Multilateralismus verfolgen. Für regionale Organisationen bedeuten diese Entwicklungen nicht nur eine grundlegende Herausforderung, sondern zugleich eine Chance, ihre Legitimität über die Förderung regionaler strategischer Autonomie zu stärken. Ob diese Herausforderungen und Chancen zu einer stärkeren Nachfrage nach Integration und politischer Unterstützung dafür führen, oder ob sie zu Stagnation, Blockaden oder gar Desintegrationstendenzen beitragen, ist bislang nicht ausreichend erforscht.

Vor diesem Hintergrund laden wir theoretische und empirische Beiträge ein, die sich mit geopolitischen Dynamiken und ihren Folgen für Regionalorganisationen befassen und beispielsweise folgende Fragen adressieren:

• Wie (re-)agieren regionale Organisationen im Lichte aktueller geopolitischer Herausforderungen?

• Gibt es Hinweise auf eine Krise der regionalen Integration oder auf Widerstandsfähigkeit regionaler Organisationen? Muss regionale Integration vor diesem Hintergrund letztlich neu gedacht werden?

• Mit Blick auf einzelne Organisationen: Welche Akteure fördern eine Vertiefung der Zusammenarbeit und weitere Integration und bilden dabei möglicherweise neue Koalitionen zur Unterstützung dieses Ziels?

• Welche Unterschiede zeigen sich zwischen Politikfeldern, die von geopolitischen Veränderungen betroffen sind?

Neben dem Schwerpunktthema bietet die Tagung auch Raum für die Präsentation und Diskussion von Forschungsarbeiten, die in den thematischen Fokus des Arbeitskreises passen und keinen direkten Bezug zum Thema der Tagung haben. Der Call richtet sich an Wissenschaftler*innen aller Karrierestufen. Wir laden ausdrücklich auch Promovierende und Forschende in der Qualifikationsphase ein, sich zu beteiligen.

Bitte schicken Sie ihre Abstracts im Umfang von 150-200 Wörtern (auf Deutsch oder Englisch) bis zum 15.02.2026 an aker@dvpw.de.

Für inhaltliche Nachfragen stehen die Sprecher*innen des AKER gerne zur Verfügung.