Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
07.03. - 08.03.2024

4. DPVW-Perspektivtagung: "Nichts steht mehr fest? Plurale Perspektiven auf politische Kontestation", Kiel

Stichtag für Abstracts: 26.11.2023

Die Diagnose, dass wir in einer globalisierten Welt des Umbruchs und einer Zeit multipler Krisen leben, ist allgegenwärtig. Dies geht mit der Infragestellung bestehender politischer Ordnungen einher, sei es auf nationaler oder auf internationaler Ebene. So sind Politisierung und Kontestation zu Phänomenen geworden, die alle Facetten des Handelns von Staaten sowie anderen internationalen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Akteuren erfasst haben. Die Spannbreite von Kontestation wirft eine Vielzahl von Fragen auf, denen sich die Teilbereiche der Politikwissenschaften auf unterschiedliche Weise angenommen haben.

So stellt sich zum einen die Frage nach dem Zusammenhang von Kontestation und Krise. Ist etwa die Wahl von Populist:innen in Regierungsämter die Krise oder führt vielmehr ihre Kontestation liberaler Politik und multilateraler Regime zur Krise? Zum anderen weist die Normenforschung auch auf die positiven Potentiale von Krisen hin, etwa als Wendepunkte und Heuristiken, die Legitimationspotentiale und -lücken aufzeigen. In der Diskursforschung ist Kontestation in Form von Gegendiskursen und widerständigen sozialen Praktiken zentraler Bestandteil der Konstruktion sozialer Wirklichkeit. Diskurstheoretische Ansätze können so unter anderem einen Beitrag zum Verständnis von (De-)Legitimationsprozessen von Institutionen beitragen. Die Forschung zu internationalen Organisationen (IOs) hat vielfältige Literatur zur Politisierung von Global Governance-Prozessen hervorgebracht und das Verständnis von populistischen Herausforderungen der liberalen internationalen Ordnung und IOs erweitert. Auch die non-compliance-Forschung stellt eine Form der Kontestationsforschung dar, die sich mit den Konflikten um und mit der (Nicht-)Einhaltung von Absprachen und Verträgen befasst. In diesem Zusammenhang rückt zunehmend auch die Rolle von Werten und Normen als Erklärungsfaktor in den Blick.

Beiträge können sich dabei auf mit folgenden Fragen auseinandersetzen, sind aber nicht auf sie beschränkt:

  • Ist die Kontestation nationaler und internationaler Politik ein Auslöser soziopolitischer Krisen, oder lösen soziopolitische Krisen Kontestation aus?
  • Welche Formen nimmt Kontestation in nationaler und internationaler Politik an? Welche Rolle spielen Protest, Norm Entrepreneurs und Polarisierung? 
  • In welchen Kontexten wirkt Kontestation wie auf (De-)Legitimationsprozesse innerhalb und außerhalb des Nationalstaats?
  • Wie beeinflusst Kontestation nationale und internationale Institutionen und Ordnungen oder Governanceprozesse?
  • Welche Veränderungen können nach Kontestation beobachtet werden?

Neben der inhaltlichen Diskussion zielt die Perspektivtagung darauf ab, die Vernetzung von Wissenschaftler:innen untereinander zu stärken. Hierzu wird im Rahmen eines Workshops zu Beginn der Tagung durch die Integration von Problem-Based Learning ein vertieftes Verständnis für die jeweiligen Zugänge zum Tagungsthema geschaffen und so die gemeinsame Grundlage für die Diskussionen der kommenden Tage gelegt.

Wir laden Wissenschaftler:innen aller Qualifikationsstufen ein, ihre Beitragsvorschläge in Form eines Abstracts mit maximal 300 Wörtern bis zum 26.11.2023 an perspektivtagungpolitik.uni-kielde zu senden.