Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
Frist: 31.07.2018

Call for papers: „Die Energiewende und soziale Ungleichheit“

Die Themengruppe Energietransformation der DVPW in Kooperation mit TUM und WZB veranstaltet am 3. Dezember 2018 im WZB Berlin einen Workshop zum Thema:

 

Die Energiewende und soziale Ungleichheit“ - Call for papers:

Die sozialen Auswirkungen der Energiewende geraten in jüngster Zeit zunehmend in die öffentliche Diskussion. Sowohl politische Parteien, als auch NGOs und Verbände sowie die Medien thematisieren die Verteilung der Kosten der Transformation des Energiesystems  und mögliche problematische Verteilungswirkungen eines veränderten Energiesystems, das stark dezentral ausgerichtet ist und zudem den Eigenverbrauch erneuerbar erzeugter Energien begünstigt. Dabei wird vor allem das Phänomen der Energiearmut problematisiert. Bisweilen werden potenzielle soziale Verteilungseffekte der Energiewende ihrerseits interessengeleitet skandalisiert.

Es kann zwischen individueller und kollektiver Betroffenheit unterschieden werden: Die Energiewende als unmittelbare Belastung für Anrainer von Erzeugungsanlagen oder Übertragungsleitungen vor Ort einerseits und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auf Konsens und Legitimation angewiesen ist, andererseits. Im Fokus stehen dabei häufig die gestiegene Energiekostenbelastung und die Gefahr der Energiearmut für einkommensschwache Haushalte. Damit wird insbesondere die distributionale Gerechtigkeit betont. Zugleich sollte jedoch auch die prozessuale Dimension Beachtung finden. Studienergebnisse zur partizipativen Energiewende zeigen, dass nicht alle Bevölkerungsteile gleichermaßen in diskursiven Beteiligungsverfahren repräsentiert sind und von finanziellen Kompensationen oder Gewinnbeteiligungen profitieren können.

Von politikwissenschaftlichem Interesse sind vor diesem Hintergrund insbesondere folgende Aspekte:

  • Theoretische Ansätze zu sozialer Ungleichheit: Welche theoretischen Bezüge lassen sich zu Dynamiken sozialer Ungleichheit in der Energiewende herstellen? Wie lassen sich empirische Erkenntnisse zu theoretischen Annahmen und Konzepten in Bezug setzen?
  • Soziale Ungleichheit und Sozialstruktur: Ist eine signifikante soziale ungleiche Nutzen und Kostenverteilung zu beobachten und werden so sozialstrukturelle Unterschiede mit der Energiewende verstärkt? Lässt sich fehlendes finanzielles und/oder soziales Kapital durch politische Programme kompensieren?
  • Soziale Ungleichheit und politische Maßnahmenprogramme: Welche politischen Strategien haben welche Auswirkungen? Welche Effekte einer „postEEG-Energiewende“ sind zu erwarten?
  • Soziale Ungleichheit und Partizipation und Zivilgesellschaft: Wie tritt Ungleichheit bei der Teilnahme an Beteiligungsverfahren in Erscheinung? Welche neuen Beteiligungsverfahren sind denkbar? Wie können asymmetrische Beteiligungseffekte vermieden werden?
  • Soziale Ungleichheit und lokale Aushandlungsprozesse: Wie wird die Energiewende vor Ort verhandelt? Wer beteiligt sich in Aushandlungs und Entscheidungsprozessen, sind bestimmte Akteurs- und Bevölkerungsgruppen ausgeschlossen?

Zur Einreichung eines Papers für eine Präsentation auf diesem Workshop an eine der u.g. Email-Adressen sind alle Interessierten aufgerufen. Die Einreichungsfrist ist der 31. Juli 2018.

Berlin/Siegen/München: Weert Canzler (weert.canzlerwzbeu), Jörg Radtke (Radtkepolitikwissenschaft.uni-siegende), Miranda Schreurs (miranda.schreurshfp.tumde), Stefan Wurster (stefan.wursterhfp.tumde)