Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
Frist: 14.06.2020

CfP – Populismus, Parteien und Pandemie, Berlin

                                                                                                                                    
  

Call for Papers


Populismus, Parteien und Pandemie

Gemeinsame Tagung des AK Parteienforschung und des AK Politik & Kommunikation der DVPW 9.-10. Oktober 2020, Berlin

Im Zuge der Corona-Pandemie werden schon länger erkennbare Entwicklungen in neuer Deutlichkeit offenbar. So sind etwa die Wiederbelebung nationalstaatlicher Grenzen und Handlungslogiken, die Effekte populistischer Regierungsstile und die Verletzlichkeit demokratischer Grundprinzipien wieder verstärkt auf der Agenda. Während die Pandemie in einigen Ländern die gesellschaftliche und politische Spaltung eher befördert, scheint sie in anderen Ländern womöglich zu einer zumindest temporären Stärkung der Gemeinschaft zu führen. In einigen Staaten können verstärkt populistisch-autoritäre Politikmuster im Zuge der Krise beobachtet werden (etwa in Ungarn oder Brasilien); in anderen gewinnen die etablierten Parteien an Zustimmung und populistische Kräfte verlieren (so etwa aktuell in Deutschland). Zugleich zeigt sich in der Krise die Bedeutung staatlicher Handlungsfähigkeit. Die Krisenbewältigungsfähigkeit dürfte nicht zuletzt Auswirkungen auf die Legitimation der politischen Systeme und damit der sie tragenden (bzw. bekämpfenden) Parteien haben.

Noch ist offen, wie nachhaltig die Pandemie die politische Landschaft verändert. Allerdings ist schon jetzt zu fragen, in welchem Verhältnis die aktuellen Entwicklungen zu längerfristigen Entwicklungen insb. in liberalen Demokratien stehen. Diese Entwicklungen werden oftmals als krisenhaft im Sinne einer steigenden Politikverdrossenheit und Unzufriedenheit der Bevölkerung sowie einer zunehmenden Polarisierung gedeutet. Ausdruck dieser Entwicklung seien ein Auseinanderfallen politischer Lager, die Unvereinbarkeit ihrer jeweiligen Positionen und das Nichtanerkennen des Anderen. Die Manifestationen dieser Entwicklung sind mannigfaltig: Sie lassen sich im Wahlkampf beobachten, in sozialen Netzwerken, aber auch in zunehmender parlamentarischer Segmentierung. Im Ergebnis scheint die Erosion der Kernfunktionen liberaler Demokratien zu drohen.

Vor diesem Hintergrund kurz- und langfristiger Entwicklungen will die gemeinsame Tagung des AK Parteienforschung und des AK Politik und Kommunikation diese Aspekte beraten. Dabei sollen Ansätze und Perspektiven der politikwissenschaftlichen Parteien- und Kommunikationsforschung zusammengebracht werden, um sowohl mit Blick auf die Bundestagswahl 2021 als auch im internationalen Vergleich eine Verbindung aktueller Pandemie-Beobachtungen mit langfristigen Analysen und Befunden zum Verhältnis von Populismus und Parteien zu ziehen. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Themenaspekte mit einigen exemplarischen Leitfragen.


Polarisierung, Kommunikation & Verantwortung

Wie wirkt sich Polarisierung auf Positionen und Kommunikationsstrategien politischer Parteien aus? Welchen Einfluss haben Parteien auf die Polarisierung des Parteienwettbewerbs? Sind Parteien und politische Akteure Treiber oder Getriebene der Polarisierung?

Populismus, Polarisierung & Institutionen

In welchem Zusammenhang stehen populistische Politikstile und Polarisierung mit dem Wechselverhältnis von Parteien und politischen Institutionen? Haben Institutionen auf radikale Parteien einen moderierenden Einfluss oder verändern populistisch-polarisierende Parteien die Institutionen?

Pandemie, Gesellschaft & Parteienwettbewerb

Welchen Einfluss hat die Pandemie auf den Parteienwettbewerb? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Regierungsstilen, Krisenbewältigungsfähigkeit und Systemlegitimation? Gehen die liberalen Demokratien gestärkt oder geschwächt aus der Pandemie hervor, und worin liegen Unterschiede begründet? Welche Rolle spielen dabei populistische Regierungs- und Politikstile?


Die Tagung adressiert gleichermaßen theoretische, methodische sowie empirische Beiträge. Wir laden insbesondere Wissenschaftlerinnen zur Einreichung von Beiträgen ein.

Vortragsvorschläge sind bis zum 14. Juni 2020 bei den Sprecher/innen der AKs einzureichen (max. 800 Wörter; PDF): Isabelle Borucki (isabelle.boruckiuni-duede), Sebastian Bukow (bukowhhude), Uwe Jun (jununi- trier.de), Marcel Lewandowsky (mlewandowskyufledu) und Torsten Oppelland (torsten.oppellanduni-jenade).

Eine Publikation ausgewählter Beiträge wird angestrebt, eine Mitwirkung an der Publikation erwartet (voraussichtlich Special Issue einer Fachzeitschrift). Die Tagung findet nach aktuellem Planungsstand als paper-based conference in Berlin statt (alternativ, falls erforderlich, als Online-Konferenz).