Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
Veröffentlicht am: 11.07.2019

Fellowship des Käte Hamburger Kollegs „Recht als Kultur”

Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“, Bonn

Bewerbungsfrist: 31.08.2019

Ausschreibung des Käte Hamburger Kollegs „Recht als Kultur” von
Fellowships für den Zeitraum vom 01.04.2020 bis 31.03.2022

Das Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur” (www.recht-als-kultur.de) lädt ausgewiesene
Wissenschaftler*innen dazu ein, sich auf ein Fellowship bzw. Junior Fellowship mit der maximalen
Dauer von 12 Monaten zum Thema Recht und Gemeinschaft zu bewerben.
Im Anschluss an die Entwicklung des Law-as-Culture-Paradigmas in der ersten
Förderphase (2010-2016) werden in der zweiten Projektphase des Käte Hamburger Kollegs „Recht
als Kultur“ (2016-2022) die Wechselwirkungen zwischen Recht und anderen kulturellen Sphären
untersucht.

Im ausgeschriebenen Förderzeitraum widmet sich das Kolleg „Recht als Kultur“ der Beziehung
von Recht und Gemeinschaft. Unter dieser Überschrift soll die Vielfalt globaler
Familienrechtskulturen und Gemeinschaftsformen erforscht werden. Die Forschungsprojekte
sollten sich dabei zudem an einem der drei Querschnittsthemen des Kollegs orientieren, nämlich
„Differenzierungskulturen und Rechtskulturvergleich“, „Menschenrechte und Autonomie“ sowie
„Rechtsbindung und emotive Grundlagen des Rechts“.


Die Spannungen, die in den Theorien des legal pluralism als Widersprüche normativer Ordnungen
beschrieben und analysiert werden, lassen sich nur mit Blick auf die hinter diesen stehenden
sozialen Gemeinschaften mit ihren jeweiligen religiösen, indigenen, lokalen und regionalen
Eigenansprüchen verstehen. Wie diese sozialen Gemeinschaften zusammengehalten werden,
bedarf in diesem Kontext ebenso der näheren Untersuchung wie ihr Verhältnis zu neben-, über und
untergeordneten Rechtsbindungen. Konkret wären dabei Ideen übergeordneter oder gar
universalistischer Rechtsgemeinschaften, wie die Europäische Rechtsgemeinschaft oder einer
Menschenrechtsgemeinschaft, mit Blick auf normative und emotional-affektive Grenzen der
Gemeinschaftsbildung zu erforschen.

Geprägt von sozialer Nähe und emotionaler Verstrickung, gilt die Familie weiterhin als zentraler
Ort, an dem die Werte einer Gesellschaft reproduziert, Güter verteilt sowie wechselseitige
Verantwortung übernommen werden. Das alte Prinzip der familiären Solidarität schlägt sich in
einer Vielzahl von Rechtsordnungen nieder. Gleichzeitig wird das Familienrecht aber auch zum
Spiegel gewandelter Familienformen und Familienideale. In der Pluralisierung von Familienformen
manifestiert sich eine umfassende Transformation von Gesellschaft und ihren normativen
Grundlagen. Gerade anhand von dem, was den normativen Charakter der Familie ausmacht,
werden Konstruktionen vom „Wir“ und dem „Anderen“ deutlich. So wird etwa in Fällen mit
Auslandsberührung über das Familienkollisionsrecht das Recht des Anderen angewandt,
Vorbehaltsklauseln verpflichten aber gleichwohl auf ein Wir.

Neben dem Vergleich von Familienrechtskulturen widmet sich das Themenfeld Recht und
Gemeinschaft dem (Rechts-)Kulturvergleich auch auf der Ebene weiterer Gemeinschaftsformen
und ihrer Bindung an geltendes Recht: Welche Systeme sozialer Normen bilden etwa traditionale
lokale Nachbarschaften, moderne Clanstrukturen oder „posttraditionale Gemeinschaften“
gegenwärtiger Subkulturen aus und in welchem Verhältnis stehen diese zu staatlichem Recht? Wie
werden diese partikularen gegenüber universellen Geltungsansprüchen vermittelt: In welchem
Umfang wird geltendes Recht von ihnen akzeptiert, pragmatisch integriert oder aber versucht, den
Normvorstellungen über die eigene Gruppengrenze hinaus Geltung zu verschaffen?

Das Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur” bietet einen kreativen Ort
geisteswissenschaftlicher Forschung für unterschiedliche Disziplinen der Kultur- und
Rechtswissenschaften. Hervorragend ausgewiesene Wissenschaftler*innen werden gebeten, sich
bis zum 31. August 2019 mit Lebenslauf, Projektbeschreibung (5–10 Seiten) und ausgewählten
Schriften unter Angabe ihrer Verfügbarkeit im Förderungszeitraum bevorzugt per E-Mail
(kaeslinguni-bonnde) oder alternativ postalisch zu bewerben an:

 

Direktorium des Käte Hamburger Kollegs „Recht als Kultur“
c/o Dr. Katharina Kaesling
Wissenschaftliche Koordinatorin
Konrad-Zuse-Platz 1-3
D-53227 Bonn