Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
Frist: 31.12.2021

Call for Papers für die Jahrestagung des Arbeitskreises Politik und Religion der DVPW, 24.-25.03.2022 in der Evangelischen Akademie Bad Boll

Neue Erkenntnisse zu Politik und Religion

Kaum mehr ein Tag vergeht, ohne dass die mediale Berichterstattung Nachrichten über politische und soziale Auseinandersetzungen hinsichtlich des Umgangs mit COVID-19 präsentiert. Immer häufiger tauchen in diesem Zusammenhang Fragen auf, welche Bedeutung die Pandemie für Kirchen und Religionsgemeinschaften besitzt. Diesbezüglich werden sowohl Vermutungen über eine Verstärkung der sowieso schon stattfindenden Säkularisierungsbewegungen und damit einem weiteren Bedeutungsverlust von Religion in der Gesellschaft als auch Prognosen, hinsichtlich einer Revitalisierung von Religion geäußert. Jene Ambivalenz reflektiert nicht zuletzt die beobachtbare Rolle zahlreicher religiöser Akteure während der vergangenen achtzehn Monate, als Gottesdienste zunächst bevorzugt als Super-Spreader-Ereignisse in die Schlagzeilen gerieten, bevor sich die Mehrheit der Religionsgemeinschaften als wichtiger Partner der World Health Organization (WHO), der nationalen Regierungen sowie der internationalen Zivilgesellschaft in der Bekämpfung des Corona-Virus erwiesen.

Durch die Pandemie, die in den meisten Fällen als Katalysator und weniger als genuine Ursache für Entwicklungen und Veränderungen im Bereich des Politisch-Religiösen wirkte, wurden zugleich neuerlich wichtige Problemkreise aufgeworfen, die in diesem Kontext seit Langem wissenschaftlich diskutiert werden: Wie fungieren religiöse Identitäten in Konflikt- und Krisenzeiten? Als Verstärker und Brandbeschleuniger, wie es z. B. in Indien zu beobachten war, wo sich Hindus und Muslime gegenseitig vorwarfen, für das teilweise unkontrollierte Infektionsgeschehen verantwortlich zu sein? Oder umgekehrt als Ressource der Solidarität, die Gläubige an ihre Verantwortung für den Mitmenschen erinnert und eine konstruktive Kooperation von multilateralen religiösen Netzwerken wie Religions for Peace erleichtert? Wie ist zudem das Verhältnis zwischen Religion und Verschwörungstheorien anzunehmen? Verstärken sich diese gegenseitig vor dem Hintergrund bestimmter Gottesbilder, fatalistischer Dogmen und intoleranter Wahrheitsansprüche? Oder können die Offenbarungsreligionen womöglich sogar als Bollwerk gegen Verschwörungsmentalitäten angenommen werden, welche allem Anschein ja gerade in das Werte- und Orientierungsvakuum vorstoßen, wie es für säkulare Gesellschaften typisch ist? Es stellt sich zudem die zentrale Frage, ob und wie sich das Verhältnis zwischen Politik und Religion in der Pandemie insgesamt verändert hat und was dies für die Zukunft dieses Verhältnisses bedeutet.

Mit dem Call for Papers angefragt sind konzeptionelle Arbeiten, empirische Projekte und theoretische Überlegungen, die sich mit unterschiedlicher Perspektive mit den genannten Themen und darüber hinaus beschäftigen. Die Beiträge können sowohl auf Deutschland konzentriert als auch international vergleichend ausgerichtet sein. Erbeten werden aussagekräftige Abstracts von bis zu 3000 Zeichen, die Aussagen zum Forschungszugang, zur Forschungsfrage sowie dem verwendeten konzeptionellen oder theoretischen Ansatz beinhalten.

Für einen zweiten Teil der Tagung sind vor allem Wissenschaftler:innen in einer frühen Phase ihrer akademischen Karriere zur Einreichung aufgefordert. Hier besteht eine Offenheit für aktuelle Arbeiten (auch Dissertationen) ganz unterschiedlicher Ausrichtung, die sich mit einem konkreten Thema aus dem breiten Spektrum Religion und Politik beschäftigen. Gerne dürfen die vorgestellten Arbeiten auch noch „Work in Progress“-Charakter besitzen.

Eine Veröffentlichung von Beiträgen der Tagung wird im Nachgang der Tagung mit den Teilnehmer:innen diskutiert.

Schicken Sie bitte die Abstracts bis zum 31.12.2021 per Email an die folgenden beiden Adressen: pickelrz.uni-leipzigde und hidalgoouni-muensterde