Thema der Arbeitstagung
Die Gefährdung der Demokratie in Deutschland wie auch weltweit wird seit einigen Jahren intensiv diskutiert. Studien zeigen, dass autoritäre Einstellungen und demokratieskeptische Positionen an Sichtbarkeit gewinnen, während gleichzeitig die Resilienz demokratischer Gesellschaften durch wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Krisen unter Druck gerät. Die Normalisierung demokratiegefährdender Positionen kann dabei sowohl als Symptom als auch als Treiber der Erosion von Demokratie verstanden werden.
Gefährdungen demokratischer Kultur entstehen jedoch nicht ausschließlich durch offen antidemokratische Akteur:innen. Politik- und sozialwissenschaftliche Forschung verweist zunehmend darauf, dass auch wachsende soziale Ungleichheiten, wahrgenommene Verteilungsungerechtigkeiten sowie Erfahrungen von sozialer Exklusion und mangelnder politischer Responsivität demokratische Einstellungen und demokratische Kultur negativ beeinflussen. Ökonomische Polarisierungsprozesse, multiple Transformationen, Statusunsicherheiten sowie die Verbreitung von Ideologien der Ungleichwertigkeit stellen zentrale Herausforderungen für demokratische Gesellschaften dar. Demokratiedistanz kann vor diesem Hintergrund auch als Aus druck gesellschaftlicher Konfliktlagen verstanden werden, die weit in die gesellschaftliche Mitte hineinreichen. Die jüngere Zeitgeschichte hat gezeigt, dass auch abgeschlossen scheinende Transformationsprozesse der Gesellschaft, beispielsweise der Wandel der Arbeitswelt oder die Nachwirkungen der deutschen Wiedervereinigung, nachhaltig fortwirken und Einfluss auf die Resilienz demokratischer Kultur haben.
Neben der Analyse von Gefährdungen erscheint es daher ebenso wichtig, demokratische Kultur aktiv zu stärken – insbesondere in Bildung, Sozialer Arbeit und zivilgesellschaftlicher Praxis. Gerade in diesen Handlungsfeldern entscheidet sich, wie demokratische Werte im Alltag gelernt, erfahren und weitergegeben werden. Demokratiepädagogik in Schule, Hochschule und Jugendhilfe kann dazu beitragen, demokratische Kompetenzen, Konfliktfähigkeit und gesellschaftliche Verantwortung zu entwickeln. Gemeinwesenarbeit und sozialräumliche Projekte fördern Beteiligung, Empowerment und solidarische Nachbarschaften, die Räume für lokale Demokratie eröffnen. Soziale Arbeit steht zugleich vor der Aufgabe, Menschenrechte zu schützen, Diskriminierung entgegenzuwirken und demokratische Teilhabe zu ermöglichen.
Die Arbeitstagung möchte daher Perspektiven aus Demokratieforschung, Sozialarbeitsforschung, empirischer Sozialforschung und Praxis der Sozialen Arbeit zusammenführen. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie demokratische Einstellungen entstehen, unter welchen Bedingungen demokratische Kultur gestärkt oder geschwächt wird und welche Rolle soziale Praxis, Bildung, Soziale Arbeit und zivilgesellschaftliches Engagement dabei spielen. Die Tagung richtet sich daher an Wissenschaftler:innen, Praktiker:innen, Studierende sowie zivilgesellschaftliche Akteur:innen im Feld demokratischer Kultur.
Ziele der Tagung
Die Arbeitstagung bietet ein Forum für den Austausch zwischen Forschung und Praxis zu Fragen der Gefährdung, Stabilisierung und Weiterentwicklung demokratischer Kultur. Empirische Befunde, theoretische Perspektiven und praxisorientierte Ansätze sollen miteinander ins Gespräch gebracht werden.
Gesucht werden Beiträge in folgenden Formaten:
• Vorträge (20 Minuten Referat + 20 Minuten Diskussion)
• Workshops (90 Minuten)
Vorgesehene Themenfelder sind:
• Demokratietheorie und Soziale Arbeit
• Gemeinwesenarbeit und lokale Demokratie
• Demokratiepädagogik und politische Bildung
• Radikalisierung und Prävention
• Ideologien der Ungleichwertigkeit, soziale Ungleichheit und Demokratie
• Digitale Öffentlichkeit und demokratische Kommunikation
• Forschungsmethoden, Evaluation und Wirkungsforschung
• Transformation, Krise und Resilienz demokratischer Kultur
• Vertrauen, politische Kultur und gesellschaftlicher Zusammenhalt
• Geschichte und Gegenwart der Zivilgesellschaft
Weitere thematisch passende Beiträge sind ausdrücklich willkommen.
Einreichung von Beiträgen
Die Beitragsvorschläge unter Angabe des Beitragsformates können bis zum 31. Juli 2026 per E-Mail an idk-arbeitstagungh2de eingereicht werden (PDF, max. 4.000 Zeichen). Eine Rückmeldung zu den Einreichungen erfolgt bis zum 30. September 2026. Ausgewählte Beiträge werden als Vollbeiträge in einem Sammelband veröffentlicht.
Organisation
Die Tagung findet am 12. und 13. Februar 2027 in Magdeburg statt. Reise- sowie Übernachtungskosten können leider nicht erstattet werden. Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an: idk-arbeitstagungh2de
Vorläufiger Zeitplan
• 31. Juli 2026: Abstract-Einreichung
• 30. September 2026: Auswahl der Beiträge und Erstellung des Programms
• Oktober 2026: Veröffentlichung des Programms
• Dezember 2026: Einreichung der Tagungsbeiträge (PowerPoint etc.) und der Vollbei träge (Word-Datei) für den Sammelband
• 12./13. Februar 2027: Arbeitstagung an der Hochschule Magdeburg-Stendal, Standort Magdeburg
• Nach der Tagung: Überarbeitung des Vollbeitrags und Einreichung für den Sammelband