Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
Sektion Policy-Analyse und Verwaltungswissenschaft

Abstracts der Tagung

Auf der Jahrestagung konnten wir uns über interessante Präsentationen und spannende Diskussionen freuen. Untenstehend einige der Abstracts, die für die Tagung eingereicht wurden:

- Baptiste Aguila: Coordination inside the European Commission? Cooperative strategies and sectoral realities within the field of early childhood education and care (ECEC)

- Martin Weinrich: When do National Administrative Representatives engage in Multi-level Administration?

- Antonios Souris: Zwischen Bürokratie und Politik - Entscheidungsfindung im Ausschuss für Fragen der Europäischen Union des Bundesrates

- Alex Berzel: Trade-offs bei der Gestaltung der Digitalisierung von Arbeit - Policy-Varianzen auf Ebene der deutschen Länder

- Jenny Rademann: "The Agent's View" - Intraministeriale Prozesse und das Streben nach nachhaltigerer Mobilität

- Melanie Castello: Barrierefreiheit in Um- und Neubau als wohnungspolitisches Problemfeld. Die Rolle der Ministerialverwaltung in Agenda-Setting und Politikformulierung auf Länderebene

- Camilla Wanckel: The effect of information and communicaiont technologies (ICT) on decision-making processes in policy formulation - A case study

- Maike Rackwitz: A shift in argumentation and justification? Collaborative public administration in the context of national digitalisation strategies

- Valentin Feneberg: "Wir sind hier die Rückkehrberatung. Es gibt keine andere" - Kooperation und Konflikt zwischen Ausländerbehörden und Wohlfahrtsverbänden im deutschen Rückkehrregime

- Ulrike Zeigermann: Nachhaltig verwirklicht oder wirklich verwaltet? Eine kritische Bestandsaufnahme um Governance für nachhaltige Entwicklung

- Andree Pruin: Demokratische Innovation versus bürokratische Tradition? Über die Anschlussfähigkeit der Ergebnisse von E-Partizipationsverfahren

- Nora Carstens: Digitalisierung in komplexen Mehrebenensystemen - ebenenübergreifende Kollaboration bei der E-Government-Integration in Deutschland und Europa

- Moritz Heuberger: Die Rolle der Digitalisierung bei der Koordination und Kommunikation zwischen Behörden im Migrationsmanagement

- Nora Schütze: Coordination between the water and the agricultural sector: A comparative case study of Spanish river basins on the modernization of irrigation

- Fabian Jakubowitz: Verwissenschaftlichung von Gesetzesbegründungen auf Bundesebene

Tagungsthema: Grenzenlose Kooperation in und mit der Verwaltung? Verwaltungshandeln in komplexen Strukturen

Die moderne öffentliche Verwaltung agiert nicht als einzelner, isolierter Akteur, sie ist vielmehr eingebunden in  komplexe Gesamtsysteme des Regierens und Verwaltens. Im Zuge der Governance-Debatte wurde in den letzten Jahrzehnten deutlich, dass gesellschaftliche Steuerung nur im Zusammenspiel verschiedener Akteure innerhalb und außerhalb des politisch-administrativen Systems gelingen kann. In einer territorialen Dimension interagieren eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure auf der kommunalen, regionalen, nationalen und europäischen Ebene in horizontalen und vertikalen Strukturen, um Handlungssynergien zu erzeugen oder voneinander zu lernen. Darüber hinaus ist Koordination und Kooperation zwischen verschiedenen Politiksektoren eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche, einheitliche und widerspruchsfeie Politikgestaltung und Umsetzung. Hinzu kommt, dass bei der Erfüllung öffentlicher Aufgaben zunehmend auch Akteure außerhalb des politisch-administrativen Systems miteinbezogen werden. Die Verwaltung kooperiert mit Verbänden, Nichtregierungsorganisationen und for-profit-Unternehmen oder bindet Bürgerinnen und Bürger direkt in Prozesse und Entscheidungen ein.

Den Herausforderungen, die Kooperation in und mit der öffentlichen Verwaltung mit sich bringt, ist jedoch nicht einfach zu begegnen. Vielmehr erhöht die Vielzahl der Akteure mit divergierenden Interessen, Problemwahrnehmungen und Lösungsideen die Komplexität des Verwaltungshandelns deutlich. Gleichzeitig versprechen Strukturen wie z.B. Kooperationsgremien oder Bürgerbeteiligungsverfahren und exogene Entwicklungen wie z.B.  Digitalisierung die Zusammenarbeit und Kooperation in und mit der Verwaltung zu erleichtern. Daraus ergeben sich unter anderem folgende Fragen:

  • Wie und zwischen welchen Akteuren findet Kooperation in und mit der Verwaltung statt?
  • Wo öffnen sich für die Verwaltung Kooperationschancen und wo ergeben sich gar Kooperationszwänge? Wo liegen Grenzen der Kooperation?
  • Welche Faktoren fördern bzw. behindern Kooperation zwischen den Ebenen, den Politiksektoren sowie zwischen Verwaltung und externen Akteuren?
  • Welche Effekte haben Strukturen und Prozesse der Kooperation auf das Handeln der öffentlichen Verwaltung?
  • Was bedeutet diese Vielzahl von Kooperationsbeziehungen für die Legitimität und Repräsentativität öffentlicher Verwaltungen?

Diese Aspekte möchten wir auf der 12. FoJuS-Jahrestagung gemeinsam aus verschiedenen Perspektiven beleuchten (Tagungsprogramm).

Wir freuen uns auf eine spannende Tagung!
Das FoJuS-Sprecherteam (Ina Radtke, Yvonne Hegele, Stefanie Vedder)