Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
Sektion Policy-Analyse und Verwaltungswissenschaft

Abstracts der Jahrestagung

Auf der Jahrestagung in Hamburg wurden viele spannende Themen vorgestellt. Untenstehend findet ihr die Abstracts der Beiträge:

Nora Carsten (Universität Potsdam): Verbreitung von Servicekonten in Deutschland: Single-Sign-On für die deutsche Kommunalverwaltung

Andree Pruin (Universität Potsdam): Pragmatismus sticht demokratische Innovation? Zur Institutionalisierung von E-Partizipation in deutschen Kommunalverwaltungen

Lukas Thiele (Universität Potsdam): Open Government in deutschen Städten - Ein Index zur Analyse unterschiedlicher Umsetzungsstände von Open Government-Maßnahmen

Leon Lieblang (Universität Duisburg-Essen): Mehr als die „Digitalisierung der Postkutsche“? Die E-Akte in der Justiz – Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage

Moritz Heuberger (Universität Potsdam): Governance of digital administration from a multi-level perspective. The German case or how mismatching coordination between federal levels slows down the digital transformation

Camilla Wanckel (Universität Potsdam): The use of machine learning and predictive analytics in ministerial bureaucracies – A comparative case study

Justine Marienfeldt (Universität Potsdam): Public Personnel in Digital Local Government

Helge Staff (Leibniz Universität Hannover): The distribution of institutional power within in German Universities. Is there something beyond the “Länder”?

Benjamin Gröbe (Universität Speyer): The European Semester and its Implications for Administrative Policy

Baptiste Aguila (Helmut-Schmidt-Universität): State Governance. Towards an integrated theoretical framework

Benjamin Friedländer (Helmut-Schmidt-Universität): Gewährleistung von Daseinsvorsorge im ländlichen Raum: Stand der Diskussion, konzeptionelle Fundierung und Forschungsperspektiven

Maximilian Nagel (Zeppelin Universität): Pharmakon Philanthropy and CSR –Municipal development through voluntary engagement of private companies – chances and risks

Katharina Heidtmann (Universität Oldenburg): Macht, Wissen, Untätig? Nicht-Implementierung von EU-Luftqualitätsstandards auf Kommunalebene im Multi-level Governance Kontext

Jenny Rademann (Georg-August-Universität Göttingen): Politik und Verwaltung – Spiel auf Zeit? Eine Untersuchung der inhaltlichen Parteiprägung der Landesverkehrsministerien anhand Ihrer Vorschläge zum Bundesverkehrswegeplan 2030

Alex Berzel (Universität Kassel): Ländervarianzen bei der Gestaltung der Digitalisierung von Arbeit – Überlegungen zu Handlungsspielräumen von Landesregierungen

Véronique Millim (Universität Koblenz): Gründungsförderung im Bundesländervergleich

Kristin Wagner-Krechlock (Zeppelin Universität): Diffusion von Regelungen in Public Corporate Governance Kodizes als Policy-Instrument: Konzeption eines Qualitätsmodells und empirische Befunde

Benoît Dumas (Universität Potsdam): Reasons for Reforms of School Administration Structures - an Analysis of the German Case

Fabian Jakubowitz (Leibniz Universität): Verwissenschaftlichung von Gesetzbegründungen auf Bundesebene

Jasmin Beneke (Leibniz Universität): Der blinde Fleck der Politikberatung – ein Politikfeldvergleich

Simon Bogumil (Helmut-Schmidt-Universität): Politische Führung in der deutschen Gesundheitspolitik: eine vergleichende Untersuchung des Führungsverhaltens von Bundesgesundheitsminister*innen

Tagungsthema: Zukunft der Verwaltung, Verwaltung der Zukunft

Die Herausforderungen, denen sich Politik und Verwaltung heutzutage stellen müssen, gewinnen immer weiter an Komplexität. Eine Vielzahl von Entwicklungen fordern die Leistungsfähigkeit, die Anpassungsfähigkeit und die Agilität der Verwaltung heraus. Klimawandel, Digitalisierung, Migration und Globalisierung, soziale Gerechtigkeit und gleiche Bildungschancen für alle sind nur einige Beispiele hierfür. Dadurch steigen auch die Anforderungen an die Problemlösungskapazität der Verwaltung. Im Sinne einer Sicherung ihrer Legitimität und Responsivität ist die Verwaltung dazu angehalten, Veränderungsbedarfe früh zu erkennen und auf die zukünftigen Herausforderungen angemessen zu reagieren. Die Zukunft der Verwaltung hängt zu einem großen Teil davon ab, wie sie auf aktuelle Trends und Debatten reagiert und in der Lage ist, sich selbst, ihre Arbeitsweise und Struktur anzupassen.

Gleichzeitig existiert die Verwaltung nicht in einem Vakuum. Sie ist eng mit der Politik verbunden und spielt eine wichtige Rolle im Policy-Prozess. Darüber hinaus suchen zivilgesellschaftliche Akteure, Nichtregierungsorganisationen sowie private Unternehmen und andere Akteure den Kontakt zur Verwaltung, um ihre Anliegen und Interessen gewahrt zu sehen. Nicht zuletzt können sie auch wichtige Partner bei der Entwicklung und Umsetzung von Lösungen für gesellschaftliche Probleme sein. Die Einbeziehung staatlicher und nichtstaatlicher Akteure auf lokaler, regionaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene verspricht neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit und Koordination. In diesem Kontext bietet die verstärkt horizontale Netzwerkbildung im Policy-Prozess eine Plattform für neue und zukunftsweisende Lösungsansätze und Innovationen.

Auch in der Innenperspektive muss sich die Verwaltung aktuellen und zukünftigen Herausforderungen stellen. Es ergeben sich Fragen nach einer problemangemessenen Struktur von Verwaltungen. Aber auch in der Personalführung und im Personalmanagement sieht sich die Verwaltung mit einem gewissen Veränderungsdruck konfrontiert, beispielsweise durch den Trend der Digitalisierung. In der Personalrekrutierung wird die Verwaltung zukünftig noch stärker in Konkurrenz zur Privatwirtschaft in Wettbewerb treten und muss sich die Frage stellen, wie sie ein attraktiver Arbeitgeber für qualifizierte Arbeitskräfte sein kann.

Daraus ergeben sich dringende Fragen für die Zukunft der Verwaltung:

  • Welche neuen Herausforderungen werden die Verwaltung in der Zukunft beschäftigen? Wie kann die Verwaltung sich entsprechend vorbereiten?
  • Wie ist die Verwaltung der Zukunft strukturiert und organisiert? Wo besteht Veränderungsdruck auf Prozesse und Strukturen und wie geht die Verwaltung damit um?
  • Welche Rolle spielt die Verwaltung in der Zukunft in Policy-Prozessen? Ist sie zentraler Akteur bei der Bewältigung gesellschaftlicher Probleme oder wird sie zunehmend von nichtstaatlichen Akteuren verdrängt?
  • Inwieweit kann die Zukunft verwaltet werden? Welche Instrumente stehen der Verwaltung zur Verfügung, um die verzahnten und komplexen Zukunftsherausforderungen, z.B. unter dem Schlagwort ‚Wicked Problems‘, zu antizipieren und Lösungen anzubieten?
  • Wie wird sich das Selbstbild und die Erscheinung der Verwaltung nach Außen in der Zukunft entwickeln? In welchem Verhältnis wird sie zur Politik und zu nichtstaatlichen Akteuren stehen?
  • Welche Rolle soll die Verwaltungs-, Public Management-, und Policy-Forschung für die Zukunft der Verwaltung und bei der Ausgestaltung einer Verwaltung der Zukunft spielen?

Diese Fragen möchten wir auf der 13. FoJuS-Jahrestagung gemeinsam aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Willkommen sind sowohl theoretische als auch empirische und praktische Beiträge in deutscher oder englischer Sprache aus der Policy- oder Verwaltungsforschung. Wie immer wollen wir einen Austausch zu (un)fertigen Papieren und Auszügen aus Dissertationen ermöglichen. Falls möglich und nötig wollen wir auch ein „Open Panel“ einrichten in dem Papiere, die keinen unmittelbaren Bezug zum Thema der Tagung haben, diskutiert werden können.

Beitragsvorschläge (Abstracts von ca. 500 Wörtern) sendet ihr bitte bis zum 31. Oktober 2019 per E-Mail an Baptiste Aguila (aguila@hsu-hh.de). Zusagen werden bis zum 01. Oktober 2019 versendet.

Wir freuen uns auf eine spannende Tagung und auf zahlreiche Beiträge!
Das FoJuS-Sprecherteam (Yvonne Hegele, Stefanie Vedder, Baptiste Aguila)