Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
Politische Theorie und Ideengeschichte

CfP Frühjahrstagung 2023: "Kämpfe um Diversität"

An der Universität Duisburg-Essen findet vom 15.-17. März 2023 die Tagung „Kämpfe um Diversität - Theorie an der Grenze von Wissenschaft und Politik“ statt. Der ausführliche Call for Papers kann hier heruntergeladen werden. Die Tagung wird von Franziska Martinsen, Peter Niesen, Karsten Schubert, Frieder Vogelmann und Sabrina Zucca-Soest organisiert. Ziel der Tagung ist es, im produktiven Austausch mit verschiedenen Disziplinen, die sich mit Ansätzen feministisch-intersektionaler, postkolonialer, antirassistischer und queerer Theorien beschäftigen, das besondere Potential der Politischen Theorie zur Analyse der durch Diversitätstheorie umkämpften Grenze von Wissenschaft und Politik zu realisieren.

Die Veranstalter*innen freuen sich über Einreichungen zu folgenden vier Themenbereichen:

1) Genealogie der Politischen Theorie und Ideengeschichte

2) Diversifizierung des Kanons der Politischen Theorie und Ideengeschichte

3) Politische Epistemologie und kritische Wissenschaftstheorie

4) Wissenschaftsfreiheit und Diversität

Einsendungen werden erbeten bis zum 31. Juli 2022 unter Berücksichtigung folgender Vorgaben:

- Abstract (max. 500 Wörter)

- akademischer Kurz-CV (max. 1 Seite)

mit der Dateibenennung Nachname-Abstract.pdf und Nachname-CV.pdf und dem Betreff „CfP Kämpfe um Diversität“

an alle folgenden E-Mail-Adressen:

politischetheorieuni-duede

karsten.schubertpolitik.uni-freiburgde

zuccahsu-hhde

CfP Herbsttagung 2022: "Rationalität und Demokratie"

[abgelaufen]

Die Frühjahrstagung der Sektion findet vom 23.-25. März 2022 zum Thema "Rationalität und Demokratie" an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt. Der Call for Papers kann nun hier heruntergeladen werden. Die Einreichungsfrist für Beitragsvorschläge ist der 31. Januar 2022.

Bei Nachfragen wenden Sie sich gerne an Claudia Landwehr (landwehr (at) politik.uni-mainz.de).

 

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CfP Frühjahrstagung 2022: "Personen und Subjekte des Politischen"

[Abgelaufen]

Die Frühjahrstagung der Sektion findet vom 23.-25. März 2022 zum Thema "Personen und Subjekte des Politischen" an der RWTH Aachen statt. Der Call for Papers kann nun hier heruntergeladen werden. Die Einreichungsfrist für Beitragsvorschläge ist der 15. August 2021.

 

Bei Nachfragen wenden Sie sich gerne an einen der Organisatoren: Michel Dormal (michel.dormal (at) ipw.rwth-aachen.de), Jürgen Förster (juergen.foerster (at) ipw.rwth-aachen.de), Emanuel Richter (richter (at) ipw.rwth-aachen.de), Hans-Jörg Sigwart (sigwart (at) ipw.rwth-aachen.de).

CfP Frühjahrstagung 2021 in Dresden

[Abgelaufen] CALL FOR PAPERS

 

Tagung der Sektion Politische Theorie und Ideengeschichte der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft an der TU Dresden, 11.–12. März 2021 (direkt im Anschluss an den Nachholtermin der Frühjahrstagung 2020, die ebenfalls in Dresden am 9. und 10. März 2021 stattfinden wird)

 

Seit dem Beginn seiner außergewöhnlichen Karriere im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts wird der Begriff der Menschenrechte als ambivalent und widersprüchlich kritisiert; eine Kritik, die im 19. Jahrhundert unter anderem von Marx und im 20. Jahrhundert etwa von Arendt aufgenommen und erneuert wurde. Nichtsdestoweniger stellen die Menschenrechte sowohl in der theoretischen Reflexion als auch in der politischen Praxis einen Dreh- und Angelpunkt legitimer Rechtsordnungen dar. Dieser Popularität steht allerdings eine weitgehende Uneinigkeit über ihre konzeptuellen und normativen Grundlagen gegenüber. Die Debatte ist von einer Vielzahl miteinander konkurrierender Menschenrechtskonzeptionen geprägt, von denen die allermeisten Schwierigkeiten haben, die Menschenrechte in ihrer Multidimensionalität als moralische Ansprüche, rechtliche Normen und politische Forderungen zu erfassen. Gegenwärtig werden diese drei Dimensionen von relativ getrennten Theoriesträngen repräsentiert. Der erste Strang versteht die Menschenrechte als moralische Rechte, die von der politischen Inanspruchnahme dieser Rechte und ihrer Geltung als Normen des internationalen Rechts – niedergelegt in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und den nachfolgenden Menschenrechtspakten – zu unterscheiden sind. Der zweite Strang betrachtet die Menschenrechte primär in ihrer Rolle als Rechtsnormen, deren Verletzung humanitäre Interventionen rechtfertigen kann. Ein dritter Strang, zu dem neben diskurstheoretischen auch poststrukturalistische Ansätze gehören, betont die hervorgehobene Rolle der Menschenrechte in politischen Kämpfen für Gerechtigkeit und Gleichheit. Daneben gewinnen Konzeptionen der Menschenrechte, die diese ausgehend von einer grundlegenden Relationalität von sozialen Praktiken, Anerkennungs- und Kooperationsbeziehungen verstehen, zunehmend an Bedeutung. Wir vermuten, dass solche Ansätze das Potenzial haben, unfruchtbare Grenzziehungen der bisherigen Debatte zu überwinden und die Diskussion produktiv zu bereichern.

Unsere Tagung adressiert die Frage, wie die normativen Grundlagen der Menschenrechte verstanden werden können, sodass deren moralische, rechtliche und politische Dimension gleichermaßen Berücksichtigung findet. Davon ausgehend verfolgt die Tagung zugleich das Ziel, die Debatte über die normativen Grundlagen der Menschenrechte um sozial-relationale Ansätze zu erweitern. Wir freuen uns über Einreichungen zu folgenden und verwandten Fragen:

  • Welche (auch weniger breit rezipierten) Autor:innen und Theorien machen hilfreiche Vorschläge, um der Multidimensionalität der Menschenrechte gerecht zu werden?
  • Wie äußert sich diese Multidimensionalität in konkreten Problemen der Internationalen Politischen Theorie (z.B. in den Feldern Klimawandel oder Migration)? Wie schlägt sie sich im Verhältnis zwischen völkerrechtlich fixierten Menschenrechten und staatlichen Grundrechten nieder?
  • Welche Rolle spielt die Multidimensionalität der Menschenrechte in aktuellen kritischen Auseinandersetzungen, beispielsweise aus postkolonialer oder feministischer Perspektive?
  • Wie können neuere sozial-relationale Ansätze, etwa aus dem Feld der Kritischen Theorie, zur theoretischen Bestimmung der Menschenrechte beitragen?
  • Wie spiegelt die politische Ideengeschichte die verschiedenen normativen Grundlagen der Menschenrechte wider? Wie zeigt sich ein multidimensionaler Ansatz in historisch relevanten Formationen der Kritik an den Menschenrechten?

 

Wir bitten bis zum 14. August 2020 um deutsch- oder englischsprachige Abstracts im Umfang von 500 bis 750 Wörtern an die unten genannte E-Mail-Adresse.

Für die Tagung ist eine Panelstruktur vorgesehen: Pro Panel werden zwei bis drei thematisch passende Vorträge von 20-25 Minuten zusammengefasst, die jeweils durch einen Kommentar ergänzt werden. Die Auswahl erfolgt durch das Organisationsteam. Die Anreise- und Übernachtungskosten können voraussichtlich übernommen werden. Eine Veröffentlichung der Beiträge ist geplant. Die Keynote-Vorträge halten Justine Lacroix (Université libre de Bruxelles) und Ned Richardson-Little (Max-Weber-Kolleg Erfurt).

Die Tagung wird organisiert von Johannes Haaf (TU Dresden), Luise Müller (TU Dresden), Esther Neuhann (Universität Hamburg) und Markus Wolf (BTU Cottbus-Senftenberg), mit Unterstützung der Professur für Rechts- und Verfassungstheorie mit interdisziplinären Bezügen der TU Dresden (Sabine Müller-Mall).

Kontakt für die Einreichung von Abstracts und für Rückfragen:

menschenrechte2021tu-dresdende

[Abgelaufen] CfP: Herbsttagung Politische Grundbegriffe im 21. Jahrhundert, Göttingen 23.-25.9.2020

Politische Kontroversen sind immer auch Konflikte um die politische Sprache und ihre zentralen Begriffe. Blickt man auf die Geschichte des politischen Denkens als eine Geschichte politischer Diskurse, dann lassen sich Grundbegriffe identifizieren, die über einen langen Zeitraum in der politischen Sprache hinweg eine zentrale Bedeutung haben, auch wenn sich ihr Inhalt gewandeltund es Kämpfe um ihre Deutung gegeben hat. Staat, Macht, Herrschaft, Demokratie, Freiheit oder Gleichheitsind Kandidaten solcher Grundbegriffe–und selbstverständlich auch der Begriff Politik, dessen Mehrdeutigkeit das Konzept politischerGrundbegriffe mit entsprechend unterschiedlichen Erwartungen füllt.Diese Begriffe können den Charakter von Kategorien aufweisen, insofern sie wie Macht und Herrschaftubiquitäre Phänomene menschlicher Gesellschaften analytisch erfassen oder sie können Ausdruck bestimmter normativerPräferenzensein –gemeinsam ist all diesen Grundbegriffen, dassihre Semantikimmer schon Teil eines kontroversen Deutungsprozesses in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft ist. Zudem haben sie sich als gewissermaßen unverzichtbar für die Wahrnehmung und Deutung der politisch-sozialen Wirklichkeit erwiesen.

 

Zwischen politischer Theorie und Praxis besteht dabei ein Wechselverhältnis, wie die markantenKonjunkturen von politischenBegriffenverdeutlichen: Diente etwa das Konzept der ‚illiberalen Demokratie‘ ursprünglich als Analysekategorie der politikwissenschaftlichen Systemforschung, so verweist die jüngste Adaption des Begriffes durch Viktor Orbánauf dessen antipluralistische Politik, in der die ‚illiberale Demokratie‘ als antiliberale Systemalternative zur etablierten westlichen Demokratiein Stellunggebracht wird.Auch derPopulismus-Begriff,der zumindest gegenwärtig nicht aus den Sozialwissenschaften wegzudenken ist und sich womöglich als Grundbegriff gerade etabliert, wird zugleichvon politischen Akteuren als affirmative Selbstbeschreibung genutzt.Beide Begriffe machen somit deutlich,dass sich das Vokabular der Politischen Theorie undIdeengeschichte nur unter Einbeziehung der Analyse des Kontextes(real-)politischerDiskurse verstehen lässt.

 

In diesen begriffspolitischen Kontroversen istdie Politische Theorie und Ideengeschichte als politikwissenschaftliche Teildisziplinbesonders gefragt–gehört es doch in ihrenoriginären Kompetenzbereich,den Begriffshaushalt der Politik und Politikwissenschaft stets von Neuemkritisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln: Was kennzeichnet im einzelneneinen Grundbegriff als politischenGrundbegriff? Lassen sich aus der Analyse der historischen Entwicklung konkrete Faktoren bestimmen, die einen Bedeutungswandel dieser Begriffe herbeiführen? Inwelcher Form können historisch-kulturell tradierteBegriffe vor dem Hintergrund aktueller Prozesse mit grundlegenden Veränderungseffekten wie Globalisierung, Digitalisierung und ökologische Transformation,überhaupt bestehen?Und wann werden diese Begriffeobsolet, wie entwickeln sich innovative Umdeutungen oder auch ganz neue Begriffe?Im Zuge vielfältigerVeränderungsprozesse stehen die politischen Grundbegriffe im 21. Jahrhundert neu auf dem Prüfstand: Herrschaftund Autorität, Repräsentation und Öffentlichkeit,Freiheit und Gleichheit, Interesse und Gemeinwohl oder auch Bürger und Individuumentstammenallesamt dem Erfahrungsraum einer nationalstaatlichen, westlich geprägten Ideengeschichte, deren Bedeutung und Angemessenheit im 21. Jahrhundert umstrittenist.Die Sektionstagung verfolgt daher das Ziel, den besonderen Status von politischen Grundbegriffen sowie ihren Wandel im 21. Jahrhundert mit seinen spezifischen Herausforderungen zu untersuchen. Beiträge sind besonders zu den folgenden drei Themenfeldern willkommen:

I. Politische Grundbegriffe: Methoden und Konzeptionen

Zunächst solldie Frage diskutiert werden, was eigentlich einen politischen Grundbegriffausmacht. Ausunterschiedlichenmethodischen und konzeptionellen Blickwinkeln gilt es, sowohl die Potentiale als auch die Probleme dieses Konzepts kritisch zu erörternund Fragennach angemessenen Zugängenzu diskutieren.So lässt sich diskutieren, ob politische Grundbegriffe überhaupt im Singularbetrachtetwerden können oder vielmehr eine komplexere Untersuchung der semantischen Felder mitsamt der Komplementär-und Gegenbegriffe voraussetzen.Ferner gilt es auch, den Zusammenhang von politischer Sprache und Alltagssprache zu reflektieren sowie nach neuen semantischen Zäsuren (‚Sattelzeiten‘) im 20./21. Jahrhundert zu fragen. Zudem ist auch nach derFunktionder‚klassischen‘politischen Grundbegriffe für die (Teil)Disziplin der Politikwissenschaft zu fragen.Mögliche Themen in diesem Panel könnten daher sein

• methodologische bzw. konzeptionelle Beiträge, die mit sich mit den Potentialen und Problemen des Konzeptsder politischen Grundbegriffe aus der Perspektive der Begriffsgeschichte, der Diskursanalyse, der historischen Semantik,der Politolinguistik oder der Metaphorologieusw.befassenund ggf. auch danach fragen, welche methodischen Brücken sich zwischen diesen Ansätzenbauen ließenund/oder Beiträge, die untersuchen, welche Rolle politische Begriffe im Zusammenhang mit Ideologien spielen.

 • Beiträge, die sich mit dem genuin politischenGehalt der Grundbegriffe bspw. im Gegensatz zu ökonomischen, kulturellen oder philosophischen Grundbegriffen beschäftigenund/oder die die Merkmale moderner politischer Grundbegriffe (z.B. Demokratisierung, Verzeitlichung, Ideologisierbarkeit,Politisierungnach Reinhart Koselleck) kritisch reflektieren.

• begriffsgeschichtliche Studien, die sich konkret mit der Etablierung bzw. dem semantischen Wandel von politischen Grundbegriffen im Übergang vom 20. ins 21.Jhd. auseinandersetzen und/oder kritisch den ‚Kanon‘ der politischen Grundbegriffe vor dem Hintergrund sich verändernder Herausforderungen hinterfragen.

 

II. Politische Grundbegriffe: Kontexte, (Sprach-)Räume und Normativität

Politische Grundbegriffe transportieren nicht nur historische Erfahrungen, sondern beinhalten auch normative Entscheidungen über die bezeichneten Gegenstände und Phänomene. Die politischen Grundbegriffen inhärente Normativität ist eine stete Herausforderung für die Politische Theorie.So verweist der Begriffshaushalt der Politischen Theorie auf spezifische theoriegeschichtliche Traditionen, deren Bedeutung und Angemessenheit es für die Analyse politischer Phänomene jenseits westlicher Kontextezu problematisieren gilt. Zugleich gelingt die Untersuchung dieser Kontextabhängigkeit nur auf der Basis einer gemeinsamen Wissenschaftssprache, dieBegriffe mit dem Anspruch allgemeiner oder abstrakter bzw. universeller Kategorienwie etwaMacht, Gleichheit oder Institution kennt.Dann dienen die Begriffe ganz unterschiedlichen Theorieströmungen als Verständigungsrahmen und erfüllen eine die Teildisziplin der Politischen Theorie integrierende Funktion.Allerdings ist auch danach zu fragen, ob ein Begriff nur (noch) innerhalb eines spezifischen theoretischen Rahmens als Grundbegriff gelten kann, weil er in anderen Theorieströmungendiese Bedeutung nicht mehr behaupten kann.Diese Fragen, die im Grunde dasSpannungsverhältnis von Universalität und Partikularität politischer Begriffe aufrufen, stellensich auch mit Blick auf die sprachliche Gebundenheit von Begriffen: Wie können sie sinnvoll übersetzt werden und wie zeigt sich ihreAnschlußfähigkeit in unterschiedlichenSprachräumen? Die spezifischen Unterschiede vonRechtsstaat/rule of law,Liberalismus/liberalism oder Konservatismus/conservatism,die erstaunliche Rückübersetzung und der globale Siegeszug des früheren forstwirtschaftlichen Begriffes der ‚Nachhaltigkeit‘ (vom engl. sustainability) oder auch die Konjunktur des Souveränitätsbegriffs in nicht-demokratischen Staaten wie Russland und China sind Beispiele für transnationale Begriffstransfers, die hohe Anforderungen an die Politische Theorie stellen.

Diese Fragen können aus politiktheoretischer Perspektive sowohl im Hinblick auf die Potentiale wie auch mit Blick auf die Probleme der Spannung von Kontext und Normativität erörtert werden. In diesem Panel wäre zu denken an

• Beiträge, die (bspw. aus postkolonialer oder feministischer Perspektive) die Normativität der politischenGrundbegriffeund ihre Kontextgebundenheit kritischreflektieren, aber auch normative Potentiale aufzeigen.

• Beiträge, die das Problem der Übersetzbarkeit politischer Grundbegriffe in unterschiedlichen Sprachräumen reflektieren oder ankonkreten Beispielen aufzeigen.

• Beiträge, welche die trans-und internationale Dimension der politischen Grundbegriffe an Beispielen reflektieren und Begriffsimitationen, -adaptionenund/oder -inte-grationennachzeichnen.

• Beiträge, die sich mit der Frage auseinandersetzen, ob globale Prozesse (wie bspw. der Klimawandel oder ein ‚neoliberales‘ Wirtschaftsregime) eine globale ‚Wissenschaftssprache‘ bedingen, um diese Phänomene systematisch in den Griff zu bekommen.

III. Politische Grundbegriffe im 21. Jahrhundert: Kontinuität oder Wandel?

Eine angemessene Gesamtbetrachtung der politischen Grundbegriffe muss auch die Frage ihrer zukünftigen Entwicklung berücksichtigen. Inwiefern besteht ein Zusammenhang zwischen sich wandelnden gesellschaftspolitischen, ökonomischen und ökologischen Strukturbedingungen und sich verändernden politischen Grundbegriffen und welche Konzepte werden in den nächsten Dekaden die politischen und politiktheoretischen Debatten prägen? Politische Grundbegriffe werden seit jeher in den öffentlichen Debatten unter strategischen Gesichtspunkten von politischen Akteuren verwendet–doch wurde bisher kaum reflektiert, inwiefern etwa der strukturelle Wandel der Öffentlichkeit (Digitalisierung, neue Partizipations-und Protestformen usw.) auf die politischen Diskurse und Begriffe zurückwirkt;wie die global vernetzte kapitalistische Weltwirtschaft das staatlich imprägnierte Vokabular der sozialen Marktwirtschaft herausfordert;oder inwiefern die Erfahrung des globalen Klimawandels sich in die politische Sprache einschreibt. Mögliche Themen sind daher

• Einzelstudien zu gegenwärtigen begriffspolitischen Interventionen und Kontroversenum politische Grundbegriffe im nationalen und internationalen Kontext, welche die Innovationspotentiale des politischen, politiktheoretischen, aber auch sozialtheoretischen Vokabulars (wie bspw. Resonanz, Governance, Postdemokratie, Singularisierung oder Populismus) kritisch hinterfragen.

• Beiträge, die sich mit dem durch die Digitalisierung bedingten Wandel der Öffentlichkeit auseinandersetzen und bspw. die Frageerörtern, inwiefern neue digitale Partizipationsformen das Verständnis von Repräsentation und Demokratie verändern und / oder inwiefern die algorithmischen ‚Sprachen‘politische und gesellschaftliche Diskurse transformieren.

• Beiträge, die sich mit der Frage beschäftigen, ob die globalen Anfechtungen und Infragestellungen von liberaler Demokratie, demokratischer Öffentlichkeit und Menschenrechten auf die Notwendigkeitverweisen, begriffspolitische Gegenstrategien zu entwickeln.

 

5erne können Sie auch Vorschläge einreichen, die sich auf weitere Aspekte zum Thema „Politische Grundbegriffe im 21. Jahrhundert“ richten! Bitte senden Sie bei Interesse ein Abstract von rund 300 Wörtern bis zum 31.01.2020 an sekretariat.stein@uni-goettingen.de.