Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft
Arbeitskreis "Gewaltordnungen"

Liebe Freundinnen und Freunde des Arbeitskreises Gewaltordnungen, liebe Interessierte,

wir laden euch herzlich zum nächsten Workshop des AK Gewaltordnungen am 3. April 2020 an der Freien Universität Berlin ein.

Das von Michael Fürstenberg, Sebastian Lange und Miriam Müller-Rensch konzipierte Thema des Workshops lautet „Perspektiven terroristischer Gewalt“. Bitte sendet eure Ideen für Beiträge in der Form eines prägnanten Abstracts bis zum 24. Februar 2020 an die Mailadresse des AK: gewaltordnungen(at)dvpw.de

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Berlin,

Das Sprecher*innenteam

 

 

Perspektiven terroristischer Gewalt

Die Erscheinungsformen terroristischer Gewalt haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten gewandelt. Trotz des „Krieges gegen den Terror“ hat sich die Zahl der Anhänger eines globalen Dschihad seit 2001 vervielfacht. Verschiedene Dschihadgruppen versuchten, Proteste und Aufstandsbewegungen zu instrumentalisieren. Es gelang ihnen in mehreren Ländern und Weltregionen Gebiete zu erobern und zeitweise zu beherrschen. Nach der militärischen Zurückdrängung des physischen „Kalifats“ könnte dem Verbund des „Islamischen Staats“ eine ähnliche Dezentralisierung bevorstehen, wie sie Al-Qaida bereits vollzogen hat.

Die Strategie des Abzielens auf größtmögliche Aufmerksamkeit durch das Töten zum Feind erklärter Zivilisten haben auch Täter aus dem rechtsextremen Spektrum übernommen. Das Muster des rechtsterroristischen Amoklaufes findet in den letzten Jahren immer mehr Nachahmer. In der ganzen Welt berufen sich rechtsextreme Terroristen auf einen geteilten Verschwörungsglauben, der das manichäische Weltbild der Anhänger des Dschihadismus spiegelt.

Aufbauend auf den in den letzten Jahrzehnten diskutierten Erklärungsfaktoren für das Phänomen des Terrorismus als Methode politischer Gewalt möchten wir euch dazu einladen, Erwartungen über den Fortgang und den Wandel der Varianten terroristischer Gewalt zu formulieren. Wir ermuntern euch zu begründeten Spekulationen und zu Entwürfen eines „großen Bildes“.

Neben Analysen politischer Rahmenbedingungen – Machtkonflikte, Deutungskämpfe, fragmentierte und polarisierte Gesellschaften – bieten sich unter anderem vergleichende Untersuchungen an oder solche, deren Fokus auf der Komplementarität von Konfliktnarrativen und auf wechselseitigen Verstärkungen liegt – etwa in der Form „reziproker Radikalisierung“. Auch die vermehrt beobachtbaren Inspirationen und Imitationen ideologisch entgegengesetzter Gruppen – wie im Falle der rechtsextremen Vereinigung „The Base“ aus den USA, die sich affirmativ auf Al-Qaida bezieht – sind von Interesse. Schlussendlich werden wir nicht umhinkommen – wie stets, wenn Terrorismus erforscht werden soll – die Verwendung des Terrorismusbegriffs in Medien, Politik, Recht und Wissenschaft zu reflektieren.