Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft

2026

„Wild gewordener Gartenzwerg!" Ordnungsrufe im Deutschen Bundestag. Ein Beitrag von Nina Smirnova

Trotz ihrer Relevanz haben Ordnungsrufe in der Parlamentsforschung bislang nur begrenzte systematische Aufmerksamkeit erfahren. Wir führen eine regelbasierte Methode zur Erkennung und Annotation von Ordnungsrufen in parlamentarischen Redebeiträgen ein und präsentieren einen neuartigen Datensatz deutscher Parlamentsdebatten über einen Zeitraum von 72 Jahren, in dem die Ordnungsrufe ausgezeichnet sind. Darüber hinaus entwickeln wir das erste Klassifikationssystem für Auslöser von Ordnungsrufen und analysieren die mit ihrem Auftreten verbundenen Einflussfaktoren.

Mit nationalen Experimenten zur europäischen Energiewende? Nationale Pfadabhängigkeiten und schwindendes politisches Commitment bleiben wesentliche Hemmnisse für eine weitreichende Transformation. Ein Beitrag von Viktoria Brendler

Um die europäische Energiewende voranzutreiben, nutzt die EU Experimentalist Governance: Unter einem gemeinsamen Zielhorizont entwickeln die Mitgliedstaaten eigene Strategien und Lösungen. Wie gut hat das bisher funktioniert? Gemeinsam haben die Mitgliedstaaten das EU-Ziel von 20 % erneuerbarer Energien bis 2020 sogar übererfüllt. Allerdings verbleiben erhebliche nationale Differenzen. Nationale Pfadabhängigkeiten und bröckelndes politisches Commitment erschweren weitreichende Transformationen.

Die populistische Verteidigung der Demokratie: Lehren aus der Protestwelle 2024. Ein Beitrag von Stefan Matern

Anfang 2024 folgte auf ein Treffen Rechtsextremer in Potsdam eine der größten Protestwellen der deutschen Geschichte. Was erklärt ihren außergewöhnlichen Mobilisierungserfolg? Unsere Analyse deutet darauf hin, dass offene Schlagworte in der Vorberichterstattung heterogene Gruppen vereinten und dass Linkspopulismus in diesem Fall eine systemstabilisierende Wirkung entfaltete.

Likes, Looks und Mandate: Warum sich Social Media Wahlkampf für gutaussehende Kandidierende besonders lohnt. Ein Beitrag von Roman Althans

Physische Attraktivität und Wahlkampf in den sozialen Medien hängen beide positiv mit Wahlerfolg zusammen. Doch können sich diese beiden Faktoren gegenseitig verstärken? Bei der Bundestagswahl 2021 hat eine Social-Media-Präsenz attraktiveren Kandidierenden mehr genutzt als weniger attraktiven. Meine Analyse deutet darauf hin, dass sich speziell die Nutzung von Facebook im Wahlkampf insbesondere für attraktivere Kandidierende in Form von Erststimmenanteilen ausgezahlt hat.

Blockieren Wähler*innen die AfD mit der Erststimme? Strategisches Wählen bei der Bundestagswahl 2025. Ein Beitrag von Sven Hillen und Jessica Kuhlmann

Die Bundestagswahl 2025 stellte viele Wähler*innen vor neue strategische Entscheidungen: Welche Rolle spielt die Erststimme im personalisierten Verhältniswahlsystem angesichts des Aufstiegs der AfD? Unsere Analysen zeigen, dass in Wahlkreisen mit knappen Rennen Wähler*innen ihre Erststimme teilweise gezielt auf die aussichtsreichste Nicht-AfD-Kandidatur bündelten. Individualdaten belegen, dass insbesondere politisch interessierte Wähler*innen bereit waren, ihre Präferenz zugunsten der stärksten Konkurrenz anzupassen. Strategisches Kandidat*innenwählen wirkt damit wie eine informelle Korrektur des Wahlsystems unter Mehrheitsbedingungen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Erststimme nicht nur symbolische Bedeutung hat, sondern aktiv genutzt wird, um lokale Wahlausgänge zu beeinflussen.

Demokratiekompetenz im Wandel: Was Schule leisten kann – und was nicht. Ein Beitrag von Christoph Jonas Kolb und Manuel Pietzonka

Demokratiebildung in der Schule soll junge Menschen befähigen, informiert, urteilsfähig und aktiv an einer pluralen Gesellschaft teilzunehmen. Der Beitrag erklärt Demokratiekompetenz als Ziel dieser Bildung – verstanden als Bündel aus Wissen, Haltung, Handeln, Urteil- bzw. Medienkompetenz sowie sozialen Fähigkeiten. Zugleich zeigt er Grenzen: Schulen arbeiten in klaren Hierarchien, Lehrkräfte sind oft überlastet, und digitale Desinformation (wie KI-Deepfakes) erhöhen den Druck. Wirksame Demokratiebildung braucht deshalb realistische Formate, gelebte Beteiligungskultur, klare Wertearbeit und Kooperation mit externen Partnern.

Alternative Open-Access-Modelle: Erfahrungen des Open Gender Journal. Ein Beitrag von Kathrin Ganz

Auch jenseits kommerzieller Verlagsmodelle lässt sich Open Access nachhaltig und qualitätsgesichert organisieren. Wie das konkret aussehen kann, zeigt das Open Gender Journal. Der Beitrag führt durch die Praxis der Redaktionsarbeit, beleuchtet Potenziale des digitalen Publizierens und spricht über Ressourcenfragen und Zukunftsaussichten. Dabei wird deutlich: Diamond-Open-Access-Initiativen eröffnen nicht nur kostenfreie Publikationswege, sondern gestalten das Wissenschaftssystem aktiv mit.